Bis vor dem Pavillon drängten sich die Besucherinnen und Besucher am Samstag, 12. Oktober, zur Wiedereröffnung der Ausstellung „Grün kaputt – Landschaft und Gärten der Deutschen“ von Dieter Wieland, Peter M. Bode und Rüdiger Disko. Dieter Wieland brachte die Gäste im Kloster Beuerberg mit seinen Worten zum Nachdenken. 1983, vor knapp 40 Jahren, hatte die ursprüngliche Ausstellung im Münchener Stadtmuseum ihren großen Erfolg gefeiert: 40.000 Besucherinnen und Besucher waren im Hochsommer ins Museum gekommen, um „Grün kaputt“ zu sehen – ein Andrang, wie ihn das Stadtmuseum noch nie zuvor verzeichnet hatte. Doch passiert sei seither trotzdem viel zu wenig, sagte Wieland. „Aber was sollen wir denn noch machen?“

Autor, Filmemacher und Pionier in Sachen Umweltschutz: Dieter Wieland. (Fotos: K. Schmid)

„Ihr macht mich glücklich“, stellte Wieland zu Beginn seiner Ansprache fest. Die Freude über die Wiedereröffnung der Ausstellung, für die Hans Urban zusammen mit dem Bund Naturschutz verantwortlich zeichnet, war dem 82-Jährigen anzumerken. Doch er gab sich vor allem nachdenklich: „Welche Warnsignale brauchen wir eigentlich noch?“, fragte er. Die Menschheit würde wohl erst reagieren, wenn ihr das Wasser bis zum Halse stünde.

„Es hilft alles nichts“, so Wieland. Es gäbe Heerscharen gut ausgebildeter junger Menschen, man wisse bestens Bescheid über die negativen Veränderungen in der Natur, „die roten Listen werden verlängert, aber es verändert sich nichts“, klagte Wieland. Er betonte erneut, wie schon in den 1980er Jahren: „Mit Kompromissen schaffen wir das nicht. Die Hauptaufgabe von euch jungen Politikern ist es, den Schutzgedanken wieder salonfähig zu machen“, sagte er an Urban und Klaus Koch, Sprecher der grünen Kreistagsfraktion, gewandt. „Was habt ihr mit den Gesetzen gemacht?“ Sie seien „zahnlose Tiger“ geworden. Alle Parteien müssten zusammenstehen, wenn es um den Schutz der Umwelt gehe. „Nennt es nicht Gesetze. Nennt es Spielregeln. Wir können nicht ohne Spielregeln leben. Eine kenntnisreiche Arena jault auf, wenn ein Foul passiert. Warum jaulen wir nicht alle auf, wenn wir sehen, was um uns herum passiert, wie die Dinge wieder beschwichtigt werden, weitergeschoben werden?“

Wielands Plädoyer: „Wir könnten, wenn wir wollten, es heute schon erreichen. Wir haben jetzt verrückterweise eine Jugend, die es offenbar erkennt, dass es um ihre Zukunft geht. Das muss man pflegen. Auch von der Politik.“ Er wünsche der Ausstellung, dass sie „nicht wieder geschreddert“ werde wie es das Schicksal der Ausstellung von 1983 war, sondern dass sie „ein bisserl die Runde“ mache. „Ich höre nicht auf, ich bin nur ein bisschen alt“, so Wieland zum Abschluss, und: „Es ist schön mit Ihnen. Und ich ende auch mit der Hoffnung, dass wir irgendwann die Kurve kratzen. Wir müssen es schaffen. Es geht nicht anders.“

Hans Urban und Martin Geilhufe machten den Besucherinnen und Besuchern deutlich, wie die Idee zur Ausstellung vor einigen Monaten geboren worden und welch langer Weg es bis zur Eröffnung gewesen sei. Urban erinnerte sich, wie er schon als Kind von seinen Eltern mit den Bildern aus „Grün kaputt“ und den Filmen Wielands konfrontiert worden sei und wie viele Telefonate er in den vergangenen Monaten geführt habe, um die ursprüngliche Ausstellung wiederaufzufinden – erfolglos. Doch sein Wunsch, „Grün kaputt“ am Rande der Ausstellung des Diözesanmuseums Freising „Heimat. Gesucht. Geliebt. Verloren.“ im Kloster Beuerberg zu zeigen, war so groß, dass ihn diese fixe Idee nicht mehr verließ. Mit Martin Geilhufe vom Bund Naturschutz fand er einen Mitstreiter und so konzipierte man innerhalb kürzester Zeit die neue Ausstellung, als deren Quelle der Ausstellungskatalog von 1983 diente, entstanden unter Mitarbeit der Gesellschaft für sozialwissenschaftliche und ökologische Forschung, namentlich Sylvia Hamberger und Wolfgang Zängl. Gegen Ende sei es dann nochmal spannend geworden: „Die letzten sieben Aufsteller sind heute um 10 Uhr angekommen“, so Urban.

Martin Geilhufe blickte in seiner Rede auf die vielfältigen Ausprägungen, die die Zerstörung von Umwelt und Natur bis heute angenommen hat. Er thematisierte den steigenden Flächenverbrauch genauso wie die schwindende Artenvielfalt oder das erst wenige Tage vor Ausstellungsbeginn eröffnete und umstrittene Großprojekt A94, die Isentalautobahn.

Klaus Koch, Sprecher der grünen Kreistagsfraktion, sagte an Wieland gerichtet: „Ihre Stimme hat mich und ganz viele begleitet und Sie haben deutlich mehr auf den Weg gebracht, als Sie so bescheiden hier gesagt haben.“ Wieland habe mit seinen Bildern den Blick vieler geschärft für das Wahre, das man sehen könne. Für ihn, Koch, seien die 1980er Jahre die Zeit gewesen, in der er begonnen habe, sich beim Bund Naturschutz zu engagieren. „Wir waren oft bedrückt mit unseren Ideen. Ihre Ausstellung hat uns gezeigt, da gibt es einen Ort, an dem man sich mit seinen Gedanken wiederfinden kann und sieht, man ist nicht alleine. Sie haben eine große Kugel ins Rollen gebracht.“

Wie gelungen sich die Wiederauflage von „Grün kaputt“ in den Rahmen der Ausstellung des Diözesanmuseums einfüge, die sich mit dem Heimatbegriff beschäftigt, erkannte Christoph Kürzeder in seiner Rede an. Zwar sei man von Urbans Idee anfangs etwas überfordert gewesen, so der Direktor des Museums, aber was am Ende dabei herausgekommen sei, habe sich durchaus gelohnt. Wie groß das Interesse an der Ausstellung bis heute noch immer ist, zeigte der Besucherandrang zur Vernissage.

In Beuerberg ist die Ausstellung noch bis zum 24. Oktober zu sehen (Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr). Danach geht sie auf Wanderschaft. Über die weiteren Termine und Orte halten wir Sie auf unserer Homepage auf dem Laufenden.

Zum Ende noch ein Tipp, den wir Ihnen sehr ans Herz legen wollen. Wer die Beträge von Dieter Wieland für die BR-Reihe „Unter unserem Himmel“ nachschauen möchte, der ist hier an der richtigen Adresse.

Medienecho

Sie Süddeutsche Zeitung berichtete sowohl in ihrem Lokalteil als auch in der Hauptausgabe.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, 14. Oktober 2019.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Bayern, 15. Oktober 2019.

Der Bericht im Münchner Merkur:

Quelle: Münchner Merkur, 16. Oktober 2019.