Werksleiter Bernd Schneider (2.v.re.) und Projektleiter Jens Neumeister (li.) erläutern mir und meinem Landtagskollegen Benni Adjei (re.) die Besondheit des ElringKlinger-Volumendichtrings

 

Bei einem Besuch im Geltinger Werk der ElringKlinger AG, einem weltweit tätigen Zulieferer der Automobilindustrie, erkundigte ich mich am 25. Juli 2022 über die Lage und die Probleme des Betriebs in meinem Stimmkreis. Begleitet wurde ich von meinem Kollegen, dem Digitalisierungssprecher der Grünen Landtagsfraktion, Benjamin Adjei.

In seiner mehr als 140-jährigen Unternehmensgeschichte entwickelte sich die ursprünglich auf Kfz-Dichtungen spezialisierte Firma zu einem international ausgerichteten Konzern mit etwa  9.500 Mitarbeitenden an 45 Standorten und einem erweiterten Produktportfolio. Der Hauptsitz von ElringKlinger ist nicht in Geretsried-Gelting, sondern in Dettingen/Erms, Baden-Württemberg.

Im Geltinger Werk, so erfuhren wir, stellen die rund 100 Beschäftigten Dichtungen für Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor her, genauer Volumendichtringe und Flachdichtungen sowie Tellerfedern für Turbolader. Diese werden aus einer speziellen Materialkombination nach einem betriebsgeheimen Verfahren hergestellt, was die Teile sehr leicht und extrem hitzebeständig macht (bis zu 1.100 Grad Celsius).

„Etwa 18 Millionen Turbolader weltweit wurden mit den Spezial-Federn von uns ausgestattet“, berichtete Projektleiter Jens Neumeister, was einer hohen globalen Marktabdeckung bei Verbrennungsmotoren entspräche.

Einerseits habe man also durch die hohe Marktabdeckung sehr großen Erfolg und vom kleinen Gelting aus etwa viele Millionen Teile pro Jahr in die Welt geliefert, bestätigte Werksleiter Bernd Schneider. Andererseits könne aber genau diese Produktspezialisierung mittel- und langfristig ein Nachteil werden, wenn Benzin- und Dieselfahrzeuge von E-Autos oder anderen Antriebstechnologien abgelöst werden.

Deshalb sei die Transformation das beherrschende Thema im Betrieb, also der Wunsch, den Übergang zu neuen, möglichst regenerativen Kfz-Antriebstechnologien in Deutschland und der Welt mit eigenen innovativen Produkten zu begleiten. ElringKlinger sei diesbezüglich schon sehr gut aufgestellt, beispielsweise mit Produkten der Batterie- und Brennstoffzellentechnologie. Von der Politik wünsche man sich daher klare Richtungsentscheidungen und beschleunigte Transformationsprozesse (z.B. Infrastruktur für E-Autos), damit auch Kfz-Zulieferer wie ElringKlinger Perspektiven und vor allem Planungssicherheit bekämen.

Werk im Gewerbegebiet Gelting, Geretsried

„Die aktuelle Gaskrise ist für uns zum Glück kein Problem,“ berichtet Werkleiter Bernd Schneider, „da wir schon vor sechs Jahren von Gas auf Wärmepumpen umgestellt haben.“ Durch den Bau einer Photovoltaik-Anlage auf den Werksdächern im nächsten Jahr und die Abdeckung des restlichen Strombedarfs durch CO2-neutral hergestellten Strom soll der CO2-Ausstoss des Standorts auf Null schrumpfen, so das ehrgeizige Ziel des Führungsteams.

Wie nahezu alle Betriebe in der Region beschäftigt ElringKlinger auch der Fachkräftemangel (z.T. resultierend aus dem Wohnungsmangel) und die unzureichende ÖPNV-Anbindung. Trotzdem wolle man die Hoffnung auf die überfällige S7-Verlängerung bis Geretsried mit Haltestelle fast vor den Werkstoren nicht aufgeben.