Warum stehen die Gämsen auf der Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Arten in Deutschland, wenn sie doch nach Aussagen unserer bayerischen Wissenschaftler*innen von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in großer Zahl vorhanden sind?

Dieser Frage wollten unsere Kolleg*innen von CSU und Freie Wähler im Landwirtschaftsausschuss mit einem Antrag zur „Einstufung der Gams“ im Mai nachgehen.

Wir haben uns mit diesem scheinbaren Widerspruch bereits vor eineinhalb Jahren auseinandergesetzt und im November 2020 eine schriftliche Anfrage an die Staatsregierung gestellt. Folgend mit Antwort:  2020-12-22_Gamsbestand-Rote-Liste.pdf .

Grundlage hierfür war ein Artikel im Münchner Merkur vom 25.11.2020. Darin bestätigte Johannes Lang, Autor der Roten Liste, dass die Gämsen in Bayern nicht gefährdet sind. Es greife bei der Einstufung lediglich ein Automatismus verschiedener Kriterien: Seltenheit gegenüber anderen Huftieren, gleichbleibender Trend oder wirksame Risikofaktoren. In Summe ergäbe das eben die Vorwarnstufe. Vgl. Tweet.

Dem Berichtsantrag im Ausschuss haben wir natürlich trotzdem gerne zugestimmt. Denn doppelt hält bekanntlich besser und eine erneute Bestätigung, dass die bayerische Gams nicht in Gefahr ist, hilft einmal mehr, die teilweise arg emotional geführte Debatte um das Vor- bzw. Nicht-Vorkommen der Gämsen im Alpenraum zu versachlichen.

Zusammenfassung:

  • Die Gams ist auch nach Ansicht des Bund für Naturschutz (BfN) in Bayern derzeit nicht gefährdet.
  • Die Aufnahme der Gams in die Vorwarnliste der Roten Liste erscheint wissenschaftlich nur begrenzt fundiert, da entscheidende Datengrundlagen fehlen bzw. teilweise veraltete Informationen einbezogen wurden.
  • Vier bereits laufende Forschungsprojekte und weitere geplante wissenschaftliche Untersuchungen der LWF werden in den nächsten Jahren die bisherige Datengrundlage ganz wesentlich verbreitern. Die Ergebnisse werden der Jägerschaft, den Waldbesitzer*innen und den Behörden wichtige Informationen zur Optimierung der Hege und der Bejagung des Gamswildes im Bergwald liefern.
  • Bereits jetzt kann aus den laufenden LWF-Projekten in den untersuchten Teilpopulationen die Einschätzung eines lang- und kurzfristig stabilen Bestandstrends der Gamsbestände bestätigt werden. Den Analysen zufolge leben im Karwendelgebirge auf ca. 5.500 ha zwischen Vorderriß und Soiernkessel ein Gamsbestand mit weit mehr als 1.000 Tieren. Auch im deutlich stärker bewaldeten Gebiet um den Geigelstein und die Kampenwand leben auf ca. 7.500 ha über 300 Gämsen. Alleine in diesen beiden Projektgebieten, nur einem Teil des Bayerischen Alpenbogens, konnten somit über 1.300 Gämsen nachgewiesen werden.

Mein Fazit:

Die Gämsen im bayerischen Alpenraum sind definitiv nicht gefährdet, im Gegenteil. Jetzt gilt es parallel zur weiteren wissenschaftlichen Erforschung, zeitnah praktikable Konzepte für das  Jagdmanagement dieser interessanten Wildtierart zu entwickeln und umzusetzen. Für auch zukünftig stabile Gamspopulationen und vor allem für einen intakten Bergwald!

Den Originalbericht finden Sie hier, sobald wir die Freigabe zur Veröffentlichung bekommen.

Mehr Infos zur Gams-Forschung: „Zur Situation der Gams in Bayern