Gemeinsam mit meinem Kollegen Patrick Friedl, Sprecher für Naturschutz und Klimaanpassung, habe ich letzte Woche im Rahmen meiner Bayerntour „Zukunft im Wald“ einen der beiden Pflanzgärten der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) in Bindlach bei Bayreuth besucht. 

v.l.n.r. Hans Urban, Andreas Büchner und Patrick Friedl

Herr Büchner, Leiter des Pflanzgartens, präsentierte uns zunächst bei Kaffee und Küchle abwechslungsreich und kurzweilig die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Pflanzgarten Bindlach. 50 Prozent der in den Staatswäldern benötigten Pflanzen (ca. 5 Mio. Stück jährlich) werden in Bindlach und Laufen produziert, der Rest wird zugekauft. Vor allem um das Risiko bei unvorhersehbaren Ereignissen (Ausbleiben der Mast, Spätfrostschäden etc.) zu streuen. 15 Mitarbeiter*innen arbeiten in Bindlach in der Pflanzenproduktion und erzielen jährlich ca. 1 Mio. Pflanzen auf einer Fläche von 8,5 ha. Die Produktion erfolgt glyphosatfrei, ein Gründüngungskonzept sichert die Produktionskraft der Böden langfristig. Gewonnen wird das Saatgut überwiegend in den 5.000 zugelassenen bayerischen Erntebestände, aber auch in Regionen, deren aktuelle klimatischen Bedingungen den für uns prognostizierten Bedingungen entsprechen. 

All das wollte ich mir natürlich dann auch live und Farbe anschauen und so haben wir uns nach draußen auf einen Rundgang zu den Pflanzbeeten und Produktionsräumen begeben. Herr Büchner vermittelte uns dabei eindrucksvoll: die hier entstehenden qualitativ einwandfreien Forstpflanzen sind das Resultat eines enormen Know-How und Spezialwissens zu jeder einzelnen Baumart.  

Gewonnen und aufgezogen wird alles, was das Förster*innen- bzw. Waldbesitzer*innenherz begehrt bzw. der Klimawandel notwendig macht. Neben bewährten Sorten und Generalisten wie Buche, Ahorn, und Weißtanne wachsen hier auch Spezialisten und Raritäten, deren Eignung sich noch in den nachfolgenden Praxisanbauversuchen zeigen muss wie z.B. Weißtannen aus dem Kaukasus. Aus dem Programm genommen haben die BaySF die Fichte, sie soll zukünftig nur noch aus Naturverjüngung die Bestände ergänzen. 

15.000 Elsbeeren warten auf ihren Einsatz

Von der Samengewinnung im In- und Ausland, über die Aufbereitung und Lagerung des Saatguts, der Anzucht und Pflege der Pflanzen in den Freilandbeeten, dem händischen Wurzelschnitt, dem Umtopfen in eigens entwickelte Spezial-Container, der Lagerung der Pflanzen im Kühlhaus bis hin zur Auslieferung an den jeweiligen Forstbetrieb wird versucht im Pflanzgarten die bestmöglichen Anwuchs- und Wuchsbedingungen für die Wälder der Zukunft zu schaffen.  

Herr Büchner erklärt die konkrete Pflanzung

Mein Fazit: in jeder einzelnen Pflanze, die später im Wald ausgebracht wird, stecken Erfahrung, enormes Fachwissen, innovative Ideen und das Bestreben bestmögliche Qualität zu erzielen. „Bewährtes und Experimentelles für den Wald der Zukunft“– genau das haben wir hier „at its Best“ gefunden!