Antrag des Abgeordneten Hans Urban und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) zu „Baumartenwahl im Klimawandel“

Der Landtag wolle beschließen:
Die Staatsregierung wird aufgefordert, dem Landtag im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu berichten, wie sich die Möglichkeiten zur Baumartenwahl für Aufforstungen und Waldumbaumaßnahmen verändern, sollte der tatsächliche klimawandelbedingte Temperaturanstieg aufgrund unzureichender Klimaschutzmaßnahmen deutlich höher ausfallen als bislang erwartet.

Dabei soll insbesondere aufgezeigt werden:
• Wie sich die Situation der Hauptbaumarten (Fichte, Kiefer, Tanne, Buche, Eiche) bei einem Temperaturanstieg um 3,8°C (nach Prognose des Klima-Reports wahrscheinliches Szenario) entwickeln würde (Darstellung des Anbaurisikos in Kartenform auf Grundlage des Bayerischen Standortinformationssystems BASIS für das Jahr 2100).
• Wie sich die Situation der Hauptbaumarten (Fichte, Kiefer, Tanne, Buche, Eiche) bei einem Temperaturanstieg um 4,8 °C (nach Prognose des Klimareports 2021 mögliches Szenario) entwickeln würde (Darstellung des Anbaurisikos in Kartenform auf Grundlage des Bayerischen Standortinformationssystems BASIS für das Jahr 2100).
• Welche anderen Baumarten unter den oben genannten Bedingungen ein hohes bzw. sehr hohes Anbaurisiko aufweisen würden.
• Welche Baumarten noch bestandsbildend eingesetzt werden könnten.
• Welche Baumarten von einer derartigen Temperaturerhöhung profitieren würden („Gewinner“ des Klimawandels).
• Mit welchen zusätzlichen abiotischen und biotischen Schädigungen zu rechnen wäre.
• Welche Folgen für die bayerische Forstwirtschaft und den Holzmarkt zu erwarten wären.
• Wie Kooperationen und Informationsaustausch im Bereich von Saatgut und Pflanzenmaterial mit anderen Staaten ausgedehnt und entwickelt werden
• Welche weiteren Schlüsse und welchen Handlungsbedarf die bayerische Staatsregierung aus den alarmierenden Fakten des Klima-Report 2021 zieht bzw. ableitet.

Begründung:
Im aktuellen Klima-Report des STMUV heißt es im Kapitel 4.3 Wald und Forstwirtschaft: „Anpassung an den Klimawandel heißt für die Forstwirtschaft Bayerns, den Waldumbau hin zu klimawandeltoleranteren Waldökosystemen noch ambitionierter voranzutreiben. Die Wahl von an Wärme und Trockenheit besser angepassten Baumarten und Herkünften rückt dabei stark in den Fokus, genauso wie die rechtzeitige und schlagkräftige Bewältigung von Waldschutzrisiken. Dies ist nur für einen lokalen Temperaturanstieg von maximal 2°C pro 100 Jahren möglich und Erfolg versprechend [8]. Daher hat die Wald- und Forstwirtschaft ein unmittelbares Interesse daran, dass das im Paris Übereinkommen gesetzte Ziel, die globale Erwärmung auf „deutlich unter 2°C“ und möglichst unter 1,5°C zu begrenzen, möglichst schnell erreicht wird (Kap. 1), wobei neuere IPCC-Aussagen zu besonderer Vorsicht mahnen (Kap. 5). Gelingt dies der Weltgemeinschaft nicht, so könnte die Anpassungskapazität unserer Wald-Ökosysteme überstrapaziert werden, mit künftigen bayernweiten direkten und indirekten Schäden und Folgekosten in der Größenordnung von mehreren Hundert Mio. Euro pro Jahr. Der Klima-Report mahnt jedoch auch kritisch an, dass, sollten die aktuellen Klimaschutzbemühungen und -maßnahmen nicht deutlich verstärkt werden, eine Erwärmung bis zum Jahr 2100 um 3,8 bis 4,8°C möglich sein könnte.

Das Bayerische Standortinformationssystem dient der Forstverwaltung als digitales Hilfsmittel zur Beratung der rund 700.000 Waldbesitzer*innen in Bayern. Dabei stellt es unter anderem das Anbaurisiko für 21 Baumarten für die Jahre 2050 bzw. 2100 dar. Für die Modellierung des Risikos wurde dabei unter anderem eine moderate Temperaturerhöhung von nur 1,8°C hinterlegt. Dies erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutzbemühungen der Staatsregierung jedoch unrealistisch.

Die vorläufige Antwort des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 10.11.2021:

Die Staatsregierung wird in o. g. Beschluss aufgefordert, mündlich wie schriftlich zu berichten, wie sich die Baumartenwahl für Wiederaufforstungen und Waldumbaumaßnahmen ändern wird, sollte die Temperaturerhöhung deutlich höher ausfallen als erwartet. Konkret nachgefragt werden Darstellungen des Anbaurisikos der Hauptbaumarten in Kartenform auf Grundlage des Bayerischen Standortinformationssystems (BaSIS) bei Temperaturerhöhungen von +3,8°C und +4,8°C. Die sich anschließenden Fragestellungen bauen auf diesen Szenarios auf.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) geht diesen Fragestellungen derzeit in dem auf drei Jahre angelegten Projekt „Über-arbeitung des Anbaurisikos für 32 Baumarten innerhalb BaSIS“ nach (https://www.lwf.bayern.de/boden-klima/baumartenwahl/268418/index.php). Da der Abschluss des Projekts für Ende 2023 avisiert ist und aktuell noch keine Ergebnisse vorliegen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt unserer Berichtspflicht nicht nachkommen. Dem Bayerischen Landtag werde ich nach dem Vorliegen der ersten Projektergebnisse erneut berichten.

Mit freundlichen Grüßen
Michaele Kaniber