Blick in den Plenarsaal während der Anhörung. (Foto: Büro Urban)

Eine öffentliche Bühne bekam das Strukturprojekt der Bayerischen Staatsforsten, das unter dem Stichwort „Forstbetrieb 2030“ geführt wird, am Mittwoch, 20. Oktober, im bayerischen Landtag. In der von uns Grünen beantragten gemeinsamen Anhörung des Agrar- und Haushaltsausschusses stand die Zukunft des bayerischen Staatswaldes im Mittelpunkt. Die Anhörung der acht Experten brachte viel Input und machte einige Punkte sehr deutlich:

  1. Alle waren sich einig, dass die Gemeinwohlleistungen des Staatswaldes künftig bewertet und in die Bewertung der Leistung der BaySF einfließen müssen.  
  2. Einigkeit herrschte auch darin, dass die Finanzierung der BaySF unabhängig vom Holzmarkt von staatlicher Seite gesichert werden müsse. Erwirtschaftete Gewinne sollen zukünftig nicht an den Staat abgeführt werden, sondern wieder direkt in die Bewirtschaftung der Staatswälder reinvestiert und auch ausreichend Rücklagen für zukünftige Krisenzeiten aufgebaut werden.
  3. Es darf auf keinen Fall mehr Personal abgebaut werden, vielmehr bracht es mehr Waldarbeiter*innen und Förster*innen auf der Fläche.
  4. Die Kommunikation nach außen und innen muss besser werden. Mitarbeiter*innen müssen greifbare Ansprechpartner*innen bei Fragen zu allen Themen rund um Wald und Waldbewirtschaftung für die Bevölkerung sein.

Alles Punkte, die wir Grüne seit Langem fordern und denen durch die Anhörung nun noch mehr Nachdruck verliehen worden ist. Jetzt heißt es, diese umzusetzen. Deshalb werden wir genau hinschauen, wie es mit dem Projekt „Forstbetrieb 2030“ weitergeht.

Die Statements der Experten im Einzelnen:

Hubert Babinger, der Vorsitzende des Gesamtpersonalrat der BaySF sagte, der Personalabbau sowohl bei den Forstbetriebsleiter*innen als auch bei den Waldarbeiter*innen (mehr als 650 weniger seit 2005) müsse gestoppt werden. Es gäbe zu wenig Personal auf der Fläche, was anders werden müsse. Es brauche eigenes personal „am Wald und im Wald“, die Vergabe von Aufträgen an noch mehr fremdunternehmen lehnt er ab. Außerdem wies er darauf hin, wie wichtig finanzielle Rücklagen für das Unternehmen, das aktuell zu 90% vom volatilen Holzmarkt abhängig ist, gerade in Zeiten des Klimawandels seien.

Bernhard Breitsameter, Vorstand der Wald-Säge Fuchstal eG, der In.Silva eG und Geschäftsführer der WBV Aichach, zeigte sich froh, dass der Wald wieder in aller Munde sei. Die gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald seien gestiegen, weshalb er ein Mehr an Öffentlichkeitsarbeit und Waldpädagogik forderte. Zudem wies er auf die Vorbildfunktion des Staatswalds für den Privatwald hin und hielt ein Plädoyer für die Devise „Schützen und Nützen“ anstatt immer nur „Schützen durch Nützen“ zu fordern: „In einem artenreichen Wald, der nachhaltig bewirtschaftet wird, kann der Biotopbaum neben dem Furnierbaum stehen.“

Dr. Joachim Hamberger, der Vorsitzende des Vereins für Nachhaltigkeit, sprach von einer Nachhaltigkeitsrevolution, an deren Anfang wir stünden. Alles Industrien stünden vor einer großen Wende und auch der Wald stehe vor großen Veränderungen. Der Klimawandel beeinflusse den Wald schon jetzt erheblich, das Waldbild werde sich durch neue Baumarten stark verändern. Die BaySF verglich Hamberger mit einem Supertanker, der in die richtige Richtung fahre und bisher gefahren sei, auch wenn die Route um ein paar wenige Grad korrigiert werden könne. Er forderte insbesondere ein, dass Ökosystemleistungen des Staatswaldes wie seine Kühlleistung, sein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, etc. in einen Geldwert umgerechnet werden müssten, um so das System, nach dem die BaySF bewertet werden, anzupassen – über den Holzeinschlag hinaus. DieFinanzierung des Staatswaldes müsse unabhängig vom Holzpreis erfolgen.

Alois Keller von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Branchensekretär für den Grünen Bereich Bayern, bezog sich in seiner Stellungnahme vordringlich auf die Personalsituation bei den BaySF.  Die Mitarbeiter*innen der BaySF würden jetzt eine Aussage zur Altersteilzeit und deren Fortführung erwarten. Bzgl. der Flächenpräsenz stelle die IG Bau einen Mangel an ausreichend ortskundigem Personal fest. Die Personalplanung passe nicht mehr zum Klimawandel und den neuen Herausforderungen wie immer kleinteiligeren Schadflächen. Zudem gab er zu bedenken, dass Altersabgänge in den nächsten zehn Jahren sehr stark würden, weshalb er ein Übernahmeangebot an alle Auszubildenden einforderte. Mitarbeiter*innen seien zum Teil frustriert, die Wegezeit, um zum Einsatzort zu gelangen aufgrund zu wenig Personalextrem hoch und Forstwirt*innen würden zu stark als Kostenfaktor gesehen. Der Personalmangel beeinflusse die Qualität der Arbeit, regelmäßig passiere es, dass die Mitarbeiter*innen zu spät zu neu angepflanzten Kulturen kommen würden, die dann schon zugewachsen seien. Das sei frustrierend. Seine Forderungen: ein effektiverer Einsatz der Arbeitskräfte, Forstwirt*innen zu Facharbeiter*innen zu entwickeln, mehr Team statt Hierarchie!

Prof. Dr. Thomas Knoke, Leiter des Universitätswaldes der Ludwig-Maximilians-Universität München und Inhaber der Professur für Waldinventur und Nachhaltige Nutzung an der TU München, bestätigte, dass das Interesse am Wald auch von wissenschaftlicher Seite sehr stark zugenommen habe nicht nur von Ökolog*innen und Biolog*innen, sondern auch von Ingenieur*innen, Mediziner*innen  und Co. Der BaySF bestätigte er, bislang einen sehr guten Job gemacht zu haben. Dieser müsse nun zielgerichtet weitergeführt werden, um am Ende alle Leistungen des Waldes abbilden zu können also auch den Wert von Erholung oder Klimaschutz. Ein Profi am Holzmarkt wie die BaySF sei für dessen Stabilität notwendig. Die Wälder der Zukunft müssten in erster Linie resilient sein und sich nach Schadereignissen schnell wieder erholen können.


Richard Mergner, der Vorsitzende des BUND Naturschutz, forderte eine Neuausrichtung der BaySF. Die Gemeinwohl- und Vorbildwirkung müsse unabhängig vom Holzpreis finanziert sein. Das Projekt „Forstbetrieb 2030“ als Rettungsanker müsse revidiert werden und brauche eine neue Ausrichtung. Es dürfe nicht nur an der Kostenschraube gedreht werden, der BaySF-Umbau müsse im Vorrang dem Gemeinwohl dienen. Dafür sei eine geänderte Zielsetzung nötig, denn wenn das Unternehmen zu fast 90% vom Holzpreis abhängig sei, könne es nicht als nachhaltiges Unternehmen gelten. Die Forderungen des BN deckten sich mit den Ankündigungen von Ministerpräsident Söder und der Staatsregierung von 2019, nach denen der Vorrang des Staatswaldes als Klimawald beschlossen worden ist. Mergner benannte als einen Fehler der Forstreform vor 15 Jahren die Abhängigkeit der BaySF vom volatilen Holzmarkt in Zeiten der Klimakrise. Auch sagte er, es brauche mehr Personal, das auch Ansprechpartner*in sein müsse für Bevölkerung. Mehr Umweltbildung und bessere Kommunikation gehörten dazu. Er forderte zudem die Unabhängigkeit der BaySF vom Holzverkauf und kritisierte die Aufnahme eines Fremdkredits, stattdessen müsse hier der Staatshaushalt greifen.

Florian Vogel, Betriebsleiter des BaySF Forstbetriebes Rothenbuch, gab zu bedenken, dass in einer sehr angespannten Situation – seit 20018 verzeichne der Forstbetrieb große Schäden an Fichte und Buche – die Ankündigung des BaySF-Umbaus durch das Projekt „Forstbetrieb 2030“ gekommen sei und die Mitarbeiter*innen stark verunsichert habe. Er benannte personelle und finanzielle Ressourcen als Grundvoraussetzung dafür, dass die bayerischen Staatwälder Ökosystemleistungen wie gewünscht erbringen könnten.

Josef Ziegler, Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands, wies in seiner Stellungnahme darauf hin, dass der Strategieprozess eines Unternehmens ein normaler Vorgang sei. Allerdings sei das Timing schlecht gewählt worden, denn wenn so ein Strategieprozess nach zwei schlimmen Jahren im Wald angekündigt werde, dann löse das Ängste aus. Er nannte die BaySF eine Erfolgsgeschichte: weit überdurchschnittlich qualifiziertes Personal mache Spitzen-Waldbau, das Naturschutzkonzept der BaySF sei „bestens“, die Jagd konsequent, die Holzvermarktung sehr gut, das Waldschutzkonzept vorbildlich, das Unternehmen BaySF national und international anerkannt. Ziegler gab zu bedenken, dass die Vorbildfunktion des Staatswaldes in Sachen Ökonomie, Ökologie und Soziales sehr wichtig sei. „Viele Privatwalbesitzer orientieren sich am Staatswald“, sagte er. Die BaySf seien ein Vorbild für Nachhaltigkeit, allerdings sei eine Diversifizierung der Geschäftsfelder nötig, um besser durch künftige Krisen zu kommen. Ziegler verlangte außerdem mehr Investitionen in die Kommunikation und forderte betriebliche Freiheiten, die der Eigentümer dem Unternehmen gönnen sollte.

Die schriftlichen Stellungnahmen der Experten erhalten Sie auf Nachfrage: buero@hansurban.de.