Aus dem heimischen Wald übers regionale Sägewerk zum örtlichen Zimmerer. Der optimale Weg des Holzes. (Foto: Büro Urban)

Wir haben viel Wald in Bayern, sehr viel sogar im Vergleich zu anderen Bundesländern. Mit 2,6 Mio. Hektar Waldfläche wächst knapp ein Viertel der deutschen Wälder in Bayern. Auf jeden bayerische*n Waldbesitzer*in kommen rein rechnerisch 0,2 ha Wald, in etwa die Fläche eines Parkplatzes mit 150 Stellplätzen.  

Viel Wald heißt aber nicht automatisch auch viel Holz für Bayern. Denn obwohl wir durch nachhaltige Forstwirtschaft mehrere Millionen Festmeter Rohholz in den öffentlichen und privaten Wäldern jährlich produzieren, bleibt nur ein geringer Teil tatsächlich auch in Bayern. Wird also hier gesägt und zu Dachstühlen, Möbeln, Parkett und Spanplatten weiterverarbeitet.  

An mangelnder Nachfrage liegt das nicht. Denn gleichzeitig importieren wir jene Produkte in rauen Mengen, die wir eigentlich selbst generieren könnten. Das alles ist nicht neu. Regionalität, kurze Wege, regionale Wertschöpfung sind vielgebrauchte Formulierungen. Doch sind sie auch tatsächlich umsetzbar vor dem Hintergrund globaler Marktstrukturen? 

Dass es an den Voraussetzungen im Holzbereich nicht liegt, zeigt die aktuell laufende Studie CarboRegio (CarboRegio: regionales Holz & sein Potential im Klimaschutz (holzforum-allgaeu.de) der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Kooperation mit dem Holzforum Allgäu. Erste Ergebnisse legen dar, dass rein mengenmäßig die Allgäuer Wälder genug Rohholz liefern, um die örtlichen Sägewerke auszulasten. Und weiter ist deutlich geworden, dass das produzierte Schnittholz den derzeitigen Bedarf der örtlichen Schreinereien und Zimmereien abdecken würde. 

Sicher lassen sich die Ergebnisse nicht auf alle Regionen Bayerns übertragen und sicher braucht es auch weiterhin nationale und internationale Handelsbeziehungen und Absatzmärkte, gerade im Hinblick auf die zukünftig zu erwartenden Schadholzmengen. Aber die Ergebnisse zeigen, dass es sich lohnt genauer hinzuschauen und die Potenziale der regionalen Kreisläufe besser zu nutzen. Die branchenspezifischen Strukturen zwischen allen Gliedern der holzverarbeitenden Kette müssen ganz gezielt gestärkt und langfristig tragende Netzwerke geschaffen werden – mit all den positiven Nebeneffekten wie kurzen Wegen, direkter Ansprache und gesicherter Qualität. Eine größere Unabhängigkeit vom internationalen Marktgeschehen erhöht außerdem die Planungssicherheit, kann Betriebsbsaufgaben verhindern und Neuansiedlungen ermöglichen.

Wie das geht, zeigt uns schon heute die Holzregion Augsburg, in der sich die Betriebe entlang der Wertschöpfungskette Holz zusammengetan haben und so das Beste für sich und die Region herausholen. Wir waren im Sommer dort zu Besuch, und haben interessante Einblicke erhalten, wie erfolgreiche Vernetzung und Zusammenarbeit geht. Mehr über unseren Besuch bei der Holzregion Augsburg lesen Sie hier.