Es tut sich was auf der Baustelle „Pestizideinsatz“. Seit September 2021 ist in Deutschland die Anwendung von Glyphosat direkt vor der Ernte sowie auf öffentlichen Grünflächen und in Privatgärten grundsätzlich verboten. In der Landwirtschaft ist Glyphosat nur noch bis Ende 2023 zulässig. Das regelt die neue Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung auf Bundesebene. Ausführliche Informationen dazu gib es hier.

Das ist ein richtiger und längst überfälliger Schritt. Doch ist beim Verbot von Ackergiften mehr Konsequenz nötig. Beispiel Neonicotinoide: Im Frühjahr 2018 wurde der Freilandeinsatz von Pestiziden, die zur Gruppe der Neonicotinoide gehören, durch die EU verboten. Neonicotinoide stören die Gehirnprozesse der Bienen und schränken ihre Kommunikation, Navigation und Pollensammelfähigkeit ein. Bereits zuvor hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die Schädlichkeit für Wild- und Honigbienen bestätigt. Trotzdem werden diese Insektizide immer noch im Rahmen von Notzulassungen eingesetzt.

Dagegen wehren wir Grüne uns und haben mit dem Dringlichkeitsantrag „Schluss mit bienenschädlichen Giften – keine Notfallzulassung mehr für Neonicotinoide in Bayern“ in der letzten Plenarsitzung unseren Standpunkt klar gemacht: Es braucht ein endgültiges Ende von Notfallzulassungen für Neonicotinoide in Bayern! Mehr dazu hier.

Ganz generell gilt: Wir Grünen wollen eine zukunftsfähige und umweltgerechte Landwirtschaft und die Ackergifte bis 2030 zumindest halbieren. Langfristig ist die giftfreie Landwirtschaft unser Ziel.

Denn Ökolandwirt*innen landauf landab zeigen uns, dass es auch anders geht. Der Biolandbau verzichtet komplett auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz. Pflanzenschutz wird dort durch den Einsatz von mechanischen Verfahren zur Beikrautregulierung, die Umgestaltung der Fruchtfolge, die Wahl resistenter Sorten oder die Anpassung der Saatzeit erreicht. Und das funktioniert auch, gut sogar, da spreche ich als Biobauer aus Erfahrung.

Für Ackergifte gilt immer, auch wenn sie das gesetzliche Zulassungsverfahren durchlaufen haben: Sie beeinträchtigen massiv die Artenvielfalt, unser Wasser, die Böden und die Gesundheit von Landwirt*innen und Verbraucher*innen. Davon wollen wir doch alle weg.

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir das schaffen, und das in unserem grünen Konzeptpapier für giftfreie Landwirtschaft festgehalten.

Die Landwirtschaft der Zukunft arbeitet mit ihren natürlichen Grundlagen – nicht gegen sie. Sie gefährdet nicht die Gesundheit, sondern schützt sie durch agrarökologische Systeme und gesunde Lebensmittel. Wollen wir die Landwirtschaft zukunftsfähig machen, müssen wir die momentane Abhängigkeit der Betriebsabläufe von Pestiziden auflösen. Wir brauchen dringend eine Landwirtschaft, die ohne den Großeinsatz von Pestiziden auskommt.