Wo ein Wille, da ein Weg. Was abgedroschen klingt, wird einmal mehr wahr, nämlich in Dänemark. Wenn es um die Verwendung von Bio-Lebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung geht, machen uns unsere Nachbarn im Norden vor, wie es geht. Knapp 3000 dänische Küchen tragen ein Bio-Zertifikat – in Gold, Silber oder Bronze. Bio-Anteile von 60 oder gar 90 % sind eher die Regel als die Ausnahme.

In Deutschland dagegen gelten Kantinen mit 15 bis 25% Bioanteil der verwendeten Lebensmittel als Modellprojekte. Für die gesamte Gemeinschaftsverpflegung hierzulande wird der Bioanteil auf lediglich ein Prozent geschätzt. Jetzt hat zwar Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) einmal mehr angekündigt, dass der Anteil von Bio-Lebensmitteln in den Bundeskantinen bis 2025 auf 20 Prozent erhöht werden soll. Doch der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Dachverband der deutschen Bio-Bauern, -Hersteller und -Händler, kritisiert zurecht: Das hat es aus dem Hause Klöckner schon vor vier Jahren geheißen. Die Quote ist seitdem nicht auch nur annähernd erfüllt worden.

Dabei hat sich während der Corona-Zeit gezeigt: Die Menschen in Deutschland und Bayern wollen ökologisch produzierte Lebensmittel und kaufen sie auch. Die Bio-Branche ging als eine der Gewinnerinnen aus der Zeit der Lockdowns und des Homeoffice hervor. Das zeigt uns: Wenn die Menschen also können, kaufen sie nachhaltig produzierte, biologische Lebensmittel. In den deutschen Betriebskantinen aber haben sie oftmals keine Wahl. Das muss sich ändern.

Wie uns das gelingen kann, zeigt uns Dänemark. Seit vielen Jahren ist das Land im Biosektor Vorreiter, seit 2012 setzt es mit seinem „Økologiplan“ (deutsch: Ökologieplan) klare Ziele für den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft. Die Folge: In dänischen Supermärkten und Lebensmittelgeschäften machten Bioprodukte schon 2018 fast zwölf Prozent der Umsätze aus. Das Land gehört damit zu den weltweiten Spitzenreitern. Und auch in Kantinen und Betriebsgaststätten steigt der Anteil der Öko-Produkte kontinuierlich an.

Doch warum funktioniert in Dänemark so gut, was wir uns für Deutschland aktuell nur wünschen können? Die Gründe sind vielfältig. Unter anderem gibt es in Dänemark klare Impulse aus der Politik, eine starke Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren und eine konkrete Unterstützung der Küchen vor Ort. Der „Ökologieplan“ wurde, egal welche Parteien gerade regiert haben, kontinuierlich vorangebracht. Die Früchte dieser konsequenten Ökologisierungs-Politik ernten jetzt alle und können sie sich in dänischen Kantinen bei einem Bio-Essen schmecken lassen. 

Aber ist das nicht alles wahnsinnig teuer? Das muss es mitnichten sein! Auch das zeigt uns das Beispiel Dänemark. Anstatt die Preise für ein Essen aufgrund der verwendeten Biolebensmittel einfach zu erhöhen, hat man Geld in Schulungen und Beratungen des Küchenpersonals gesteckt. Durch einen staatlichen Fonds wird nicht nur die Umstellung auf Bio in der Landwirtschaft gefördert, sondern eben auch Qualifizierungsmaßnahmen für das Personal in der Gemeinschaftsverpflegung. Ziel der Dänen war es, mehr Biowaren einzusetzen, ohne dabei das Budget zu erhöhen. Am kniffligsten ist das natürlich bei Fleisch- und Wurstwaren. Biofleisch kostet mehr; deshalb legen die Köch*innen ihren Fokus auf die Auswahl der Zutaten, verwenden mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger Fleisch und können so das Budget halten. Auch lernen sie, wie man aus guten Rohwaren wieder selbst verarbeitete Lebensmittel herstellen kann.

Selbst, wenn wir das dänische Modell nicht eins zu eins übernehmen können, es zeigt uns: Wo ein Wille, da ein Weg. Dass der Bioanteil in der Gemeinschaftsverpflegung in Deutschland noch immer verschwindend gering ist, ist ein Armutszeugnis für ein reiches Land wie unseres. Und es zeigt eins ganz deutlich, fehlenden Willen. Mit einer neuen Bundesregierung kann es deshalb eigentlich nur besser werden und bei einem Prozent ist noch viel Luft nach oben.

Wie es in Bayern aktuell um Bio in der Gemeinschaftsverpflegung steht, zeigt eine von uns Grünen in Auftrag gegebene Studie. Darin wird auch deutlich, wie wir unser Ziel erreichen, mehr heimische Biolebensmittel in unsere bayerischen Kantinen zu bringen. Hier lesen.