Kühe grasen unter Obstbäumen: ein silvopastorales (Bäume mit Tierhaltung) Agroforstsystem. (Foto: pixaby)

Vergangene Woche fand das 8. Forum Agroforstwirtschaft statt. Und wer dabei war, hat gemerkt: Da ist Wumms dahinter. Da ziehen so viele engagierte Bäuerinnen und Bauern, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einem Strang, da geht was.

Agroforstwirtschaft. Dieser sperrige Begriff steht für eine rundum vorteilhafte Form von Landwirtschaft. Sträucher und Bäume kommen zurück auf unsere Wiesen, Felder und Weiden. Sei es als Nuss- oder Obstbäume, als Wertholz mit hoch gewachsenen langen Stämmen, als Gehölzhecke, unter der Weidetiere Schatten und Schutz finden.

So vielfältig die Agroforstwirtschaft ist, so kreativ müssen Bäuerinnen und Bauern bei der Anlage von Agroforstflächen sein – und sein dürfen! Vorgefertigte Muster helfen hier wenig. Welche Kombination von Kulturen sich am besten für den jeweiligen Standort, die Hanglage, Ausrichtung, die Bewirtschaftung des Hofes und so weiter eignet, ist individuell verschieden. Landwirt*innen brauchen gute Berater*innen, die mit ihnen gemeinsam geeignete System aufbauen. Und sie brauchen eine Förderung, die all dies berücksichtigt. Eine Förderung, die sie nicht einschränkt, – und wie die AbL Mitteldeutschland gerade befürchtet, dass sie im Bund ersonnen werden könnte -, sondern eine Förderung, die ihnen alle Freiheiten gibt, ein sinnvolles System auf ihren Höfen aufzubauen.

Dafür kämpfe ich, seit ich 2018 in den Landtag gewählt worden bin. Ich habe mich in zahlreichen Anfragen und Anträgen dafür stark gemacht, dass Agroforstwirtschaft auch in Bayern attraktiv für uns Landwirt*innen wird. Und ich bin zuversichtlich, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen, wenn auch in Trippelschritten.

Erst letzte Woche hat mir das Landwirtschaftsministerium auf eine Anfrage geantwortet. Das Positive: Es soll mit der neuen Förderperiode 2023 eine investive Förderung über die 2. Säule auch in Bayern geben. Doch bin ich noch skeptisch, ob wir eine Förderkulisse bekommen, in der Bäuerinnen und Bauern kreativ gestalten können. „Insgesamt dürften Agroforstsysteme in Bayern aufgrund der relativ kleinteiligen Agrarstruktur auch in Zukunft nur vor untergeordneter Bedeutung bleiben“, heißt es in der Antwort aus dem Landwirtschaftsministerium. Der Sinneswandel, den ich mir wünsche, ist hier als noch nicht angekommen.

Das Ministerium sollte nicht auf der Bremse verharren, sondern die Bäuerinnen und Bauern in Bayern ermutigen und unterstützen, sich an Agroforstkulturen heranzuwagen. Die Vorteile sind so vielfältig: Agroforstflächen schützen den Boden, das Wasser und das Klima, fördern die Vielfalt der Tierarten auf unseren Agrarflächen, sie spenden Schatten und schaffen ein Mikroklima, in dem mehr Feuchtigkeit gespeichert wird. Sie können die natürliche Antwort auf die Probleme mit der Trockenheit sein, vor denen die bayerischen Landwirt*innen gerade etwa in Franken stehen.

Wir müssen Agroforstwirtschaft als ganzheitliche Lösung für die Krisen auf dieser Welt sehen. Der Vortrag von Tanja Busse, Journalistin, Autorin, Moderatorin, auf dem Agroforst-Forum sei hier wärmstens empfohlen. Es geht um die Rückkehr der Vielfalt auf unseren Feldern, auf unseren Weiden und Wiesen. Vielfalt macht widerstandsfähig, Vielfalt schafft Chancen. Die Wissenschaft weiß bereits darum, die Landwirt*innen, die schon heute mit kombinierten Gehölzkulturen auf ihren Flächen arbeiten, auch. Und selbst die bayerische Staatsregierung wird es noch lernen. Ich bin zuversichtlich und mache mich weiter stark für Vielfalt auf unseren Flächen!

Hier meine Anfrage mit der Antwort der Staatsregierung: