Auf diesen Termin habe ich mich besonders gefreut! Am Freitag waren wir zu Besuch in den Laubwäldern des Universitätsforstamts Sailershausen in Unterfranken. 75 Prozent beträgt der Laubholzanteil hier auf der Fränkischen Platte, die Jahresniederschläge liegen dabei bei nur 600 Millimeter. Für mich als oberbayerischen Fichten-Waldbewirtschafter mit Jahresniederschlägen von knapp 2000 Millimeter unbekanntes Terrain und daher umso spannender.

Hans Stark und die Abgeordneten Patrick Friedl, Hans Urban, Kerstin Celina und Paul Knoblach (v. li.). (Fotos: Büro Urban)

Hans Stark führte mich und meine MdL-Kolleg*innen Kerstin Celina, Paul Knoblach und Patrick Friedl zwei Stunden kreuz und quer durch seinen Wald, trotz strömenden Regens, denn „nur von der Straße aus reinschauen in die Bestände, des is doch nix“, so Hans Stark. Und es hat sich mehr als gelohnt: Die artenreichen Laubwälder lassen nicht nur jedes Förster*innenherz höher schlagen, hier sieht auch jeder Laie auf den ersten Blick. Die Wälder hier sind etwas ganz Besonderes. Die Baumartenpalette ist beeindruckend, umso mehr, als es hier Dank einer konsequenten Jagd, kaum Zäune gibt. Gut 270 Rehe werden auf den 2.200 Hektar jährlich erlegt (12 Stück/100ha). Das Ergebnis: neben Buche und Eiche (zusammen 40%) sind Hainbuche (11%) und Edellaubhölzer (19%) wie Feldahorn, Elsbeere, Vogelkirsche und Linde die Wirtschaftsbaumarten. Alle Baumarten verjüngen sich hier ohne Verbiss natürlich, lediglich ein paar Weißtannen werden zur langfristigen Sicherung des Nadelholzanteils durch Pflanzung ergänzt.

Wenn Hans Stark in einem seiner Bestände Holz macht, kann es sein, dass über 25 verschiedene Lose anfallen, vom Brennholz für Selbstwerber, Palettenholz, Industrieholz für die Papier- und Spanplattenherstellung, Parkettsortimente, Bauholz lang und kurz bis hin zum Wertholz für die jährliche Submission. Die Sailershäuser Elsbeeren sind gefragt und haben bereits Spitzenerlöse von 40.000 DM je Festmeter erzielt. Ein hoher Arbeitsaufwand, der viel Fachwissen erfordert und hohe Anforderungen an Arbeitsqualität und Ortskenntnis von allen Beteiligten notwendig macht.

„Eigentlich keine Werbung für die Laubholzbewirtschaftung“, meint Starck augenzwinkernd, aber es lohnt sich. Die Wertschöpfung bleibt in der Region, geht doch nahezu das gesamte Holz an örtliche Säger und lokale Weiterverarbeiter. Hier funktioniert das mit dem Holz der kurzen Wege, die Durchschnittserlöse je Festmeter können sich trotz des Aufwands sehen lassen, Qualität statt Quantität zahlt sich langfristig für alle aus.

Auch der Naturschutz kommt bei Stark nicht zu kurz. Biotopbäume gibt es reichlich und in den letzten 15 Jahren konnte der Totholzanteil verdreifacht werden, er liegt jetzt bei knapp 10 Festmeter je Hektar. 20 Festmeter werden langfristig angestrebt.

Das angewandte Forschung für den Laubwald der Zukunft essenziell ist, hat Stark schon früh erkannt. Immer wieder kommen wir an Versuchsflächen der Bayerischen Hochschulen und Landesanstalten vorbei. Wertvolle Kooperationen sind hier auf Bestreben Starks in den letzten 15 Jahren entstanden.

Im Anschluss haben wir noch einen kurzen Abstecher zu einem Windrad des Sailershäuser Bürgerwindparks gemacht. In Kooperation mit Greenpeace Energy wurden auf dem Höhenrücken des Sailershäuser Waldes insgesamt zehn Windenergieanlagen errichtet und 2015 in Betrieb genommen. Betreiber der Anlage sind die Städtischen Betriebe Haßfurt, die durch die Bürgerdarlehen 12,5% der Anteile am Windpark halten. Langfristiges Ziel der Kooperative ist es, Haßfurt völlig autark von fossilem Energieträger mit erneuerbaren Energien zu versorgen.

Mein Fazit: Beeindruckend! Anschauen lohnt sich!