Der erste Termin meiner Sommertour führte mich nach Oberfranken in die Landkreise Kulmbach und Kronach. Ich war sehr gespannt, was mich und meinen Kollegen Tim Pargent (MdL aus Bayreuth) hier erwarten würde.

Auch im STMELF fragte man bei uns nach, warum wir denn bis in den Frankenwald fahren würden, um uns Waldpädagogikprojekte anzuschauen, es gäbe doch auch Walderlebniszentren, die näher liegen würden, wozu also der Aufwand? Aber genau das wollten wir, so wichtig diese Zentren sind, eben nicht – eine klassische Waldpädagogikführung mit Baumtelefon, Sprunggrube und Holzxylophon. Wir wollten uns neue, innovative Projekte ansehen, quasi Waldpädagogik 2.0.

Waldspaziergang in Oberfranken. (Fotos: Büro Urban)

Und genau das haben wir in Kulmbach und Kronach bekommen: zwei Spitzenprojekte, auf den Weg gebracht und begleitet von einem engagierten AELF-Team, nicht minder engagierten Lehrkräften und umgesetzt im Rahmen von P- und W-Seminaren durch hoch motivierte Gymnasiast*innen der 10. Jahrgangsstufe des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums Kulmbach und des Frankenwald Gymnasiums Kronach.

Die Vielzahl spannender Einzelthemen, die teilweise komplexen Fragestellungen der W-Seminarprojekte, aber vor allem der praktische Nutzen der P-Projekte haben mich sehr beeindruckt. So werden in Kulmbach für den Stadtwald unter anderem QR-Codes zur Besucher*inneninformation zu 16 fremdländischen Baumarten entwickelt, Podcasts und Videos erstellt, Schilder und Waldmaskottchen zielgruppenspezifisch entworfen. In Kronach beschäftigt sich ein Teil der Zehntklässler*innen in 15 spannenden Projektarbeiten mit dem Klimawandel im Frankenwald, den Borkenkäferschäden entlang der Fränkischen Linie und den Waldfunktionen. Außerdem werden für einen Waldbesitzer mehrere Wiederbewaldungsvarianten für seine Borkenkäferschadfläche erarbeitet und nach einem gemeinsamen Beratungsgespräch auch in die Tat umgesetzt. Die Spaten für die Pflanzungen im Herbst sind bereits bestellt.

Eine junge Libanon-Zeder.
Dürre Fichten. Hier hat der Borkenkäfer zugeschlagen.

FAZIT: Hier waren wir genau richtig, um einen Einblick in den großen Nutzen von moderner Waldpädagogik zu bekommen. Es wäre wünschenswert, solche Projekte über alle Schulformen und Klassen hinweg, bayernweit einer breiten Schülerschaft zu ermöglichen. Dazu braucht es neben deutlich mehr finanziellen Mitteln auch mehr forstliches Personal an den ÄELF speziell für die forstliche Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit. Das habe ich bereits im letzten Jahr im Rahmen meines Waldantragspakets gefordert. Denn ich bin mir sicher: Wald zieht, interessierte und motivierte Lehrer*innen und Schüler*innen dürften auch andernorts nicht schwer zu finden sein!

Ich bedanke mich bei allen Beteiligten mit dem höchsten Lob, das die Franken zu vergeben haben: der Tag hat scho bassd!

*P- und W-Seminare: die Projekte der P-Seminare haben einen klaren Praxisbezug, im W-Seminar lernen die Schülerinnen und Schüler die Erstellung einer Seminararbeit. Das „W“ steht für „Wissenschaftspropädeutik“.