Der 27. Januar 2020. Es ist schon heute, ein Jahr später, ein historischer Tag. Der Tag, an dem Corona nach Deutschland kam. Der Tag, an dem in einer Automobilzuliefererfirma im oberbayerischen Stockdorf erste Virus-Infektionen bekannt wurde. Plötzlich war dieses neue Virus ganz nah. Einen Monat davor fühlte sich das noch ganz anders an. Aus einer der vielen Millionenstädte in China, in Wuhan, waren uns am 31. Dezember 2019 die ersten Corona-Fälle gemeldet worden – weit weg. Doch dann ging – in der Nachschau – alles ganz schnell. Und über wenige Monate hatte sich Covid-19 über den gesamten Erdball verbreitet.

Die 16 Webasto-Mitarbeiter*innen und deren Angehörige, die sich nachweislich mit dem neuen Virus infiziert hatten, wiesen glücklicherweise zumeist einen leichten Verlauf auf, manch eine*r hatte kaum Symptome. Ärzt*innen sprachen noch von einer etwas anderen Art der Grippe, die da möglicherweise unterwegs war. Das blieb nicht lange so, änderte sich sogar sehr abrupt mit den Patient*innen aus Ischgl. Schwerwiegende Symptome wurden sichtbar, uns allen wurde klar, wir wissen nicht, was dieses Virus in unseren Körpern angreift – bis heute ist nicht endgültig geklärt, welche (Langzeit-)Folgen selbst Erkrankte mit nur leichten Symptomen möglicherweise erwarten.

Seit dem Januar 2020 haben sich weltweit etwa 100 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Mehr als zwei Millionen Menschen sind seither gestorben, mehr als 9.900 davon in Bayern. Der Freistaat reagierte, indem er am 28. Februar 2020 einen Krisenstab einrichtete. Am 11. März erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Krankheit zu einer weltweiten Pandemie. Am 16. März begann der erste Shutdown in Bayern, es galt der Katastrophenfall.

Seither begleitet uns das Virus dauerhaft – und in den vergangenen Herbst- und Wintermonaten erneut mit voller Wucht. „Ein Jahr Corona: Die Zahlen in Zeitraffer“, anschaulich aufbereitet vom BR,  zeigt, wo wir heute stehen. Leider noch immer mittendrin im Virusgeschehen. Homeschooling, FFP2-Maskenpflicht, ein überlastetes Gesundheitswesen, Pfleger*innen am Anschlag, Wirtschaftstreibende kurz vor der Pleite, verzweifelte Kulturschaffende, Ausgangssperren, genervte, angespannte und sorgenvolle Menschen, wohin man auch blickt. Auch wenn der „Lockdown light“ und der darauf folgende strenge Lockdown nun endlich Wirkung zeigen, die Kurve langsam sinkt – die kommenden Monate werden wir alle noch Ausdauer zeigen müssen. Insbesondere die Virus-Mutationen machen uns große Sorgen, lösen neue Ängste aus und sollten uns, so raten es uns Virolog*innen, zu noch größerer Vorsicht als bisher veranlassen.

Neben all den Schatten gibt es aber auch Licht. Auch der Chef der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, bediente sich erst kürzlich dieser Metapher und sprach vom „Licht am Ende des Tunnels“, das er bereits erkennen könne.  

Innerhalb nur eines Jahres hat die internationale Forschung einen Impfstoff entwickelt – eine Leistung, die nicht hoch genug geschätzt werden kann. Hat doch niemand von uns damit gerechnet, dass es am Ende tatsächlich so schnell gehen würde. Die Entwicklung dieses Impfstoffs aber, darf uns positiv stimmen – hat dieser Prozess uns doch gezeigt, wozu die vernetzte, globale Wissenschaft fähig ist. Das ist auch übertragbar auf andere Krisen wie den Klimawandel – wenn wir ihn nur endlich alle als ebenso drängende Krise anerkennen wie die Pandemie.

Wir impfen in Bayern nun seit einem Monat. Die Impfzentren in unseren Landkreisen wurden quasi über Nacht aus dem Boden gestampft. Sie stehen bereit und könnten knapp 40.000 Menschen am Tag impfen. Doch das passiert nicht, denn es mangelt am Impfstoff. Bereits vereinbarte Impftermine müssen wieder abgesagt werden, Impfzentren stehen leer. Hier reicht es nicht, den Bund und Europa verantwortlich zu machen, hier muss die Staatsregierung besser werden, hier muss die CSU, die in Berlin mitregiert, ihrer Verantwortung nachkommen.

Daneben braucht es eine umfassende, aufklärende Impfkampagne. Es darf nicht sein, das Impfgegner*innen lauter schreien und deshalb besser gehört werden als die Wissenschaft, als der Staat, als alle die, für die es schon aus Solidarität mit den Schwächeren außer Frage steht, sich impfen zu lassen. Es darf nicht sein, dass die Schreihälse in unserer Gesellschaft die Menschen verunsichern. Die Bürgerinnen und Bürger müssen die Fakten kennen, aufgeklärt sein, dann werden sie Vertrauen in den Impfstoff haben – nur so lässt sich die Impfmüdigkeit einiger bekämpfen.

Es steht außer Frage: Nach einem Jahr wünschen wir alle uns die Rückkehr zu einem „normalen Leben“. Wir alle wollen endlich wieder in einem Café sitzen können, mal wieder ins Theater, ins Kino, ins Konzert gehen, mal wieder entspannt durch die Stadt bummeln, Freund*innen, Bekannte, Nachbar*innen ungezwungen zum Ratsch treffen. Wir wollen unsere Kinder wieder in die Schule und am Nachmittag zu ihren Freund*innen schicken. Unseren Jugendlichen die Freiräume zugestehen, die sie gerade in diesem Alter brauchen. Wir wollen ausgelassen sein, und wir wollen, dass Corona nicht mehr unseren Alltag dominiert, andere wichtige Themen wieder die verdiente Aufmerksamkeit bekommen. Wir alle sind ungeduldig, genervt, angestrengt, angespannt. Doch es hilft nichts. Dieses Virus nimmt keine Rücksicht auf unsere Emotionen und unsere Wünsche. Es nützt jede Gelegenheit aus, die wir ihm bieten, um sich weiter auszubreiten.

Wir wissen, wie wir diese Pandemie bekämpfen können: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, impfen. Wir Grüne im Landtag haben uns während der letzten zehn Monate konstruktiv-kritisch in den politischen Prozess eingebracht. Viele unserer Vorschläge wurden zwar anfangs abgelehnt, letztlich aber doch umgesetzt. Es liegen noch viele weitere Ideen und Vorschläge von uns Grünen auf dem Tisch – wir laden die Staatsregierung mit Handkuss ein, sich ihrer zu bedienen.

Es gilt in der jetzigen Phase der Pandemie, nicht leichtsinnig den Erfolg der letzten Wochen zu verspielen. Wir müssen durchhalten. Für die Zeit nach dem 15. Februar bzw. für die Zeit geringerer Inzidenzwerte braucht es eine klare Exitstrategie, einen Stufenplan, der sich am Inzidenzwert orientiert, und langfristig verdeutlicht, welche Lockerungen wann greifen. An erster Stelle müssen dabei – und das sollte unstrittig sein – Kinder und Jugendliche stehen.  

Unsere Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze hat es heute in ihrer Plenarrede auf den Punkt gebracht: Wir brauchen einen klaren gesellschaftlichen Kompass und wir brauchen den Mut, neue Wege zu gehen. Halten wir durch!