Pandemie-bedingt digital ausgetauscht haben sich am Montag, 11. Januar, die grünen Mandatsträger*innen aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. (Bild: Büro Urban)

Kommunalpolitischer Start ins neue Jahr, das leider noch immer von der Corona-Pandemie beherrscht wird, im Zeichen der Mobilität: Unter Corona-Bedingungen habe ich mich am 11. Januar mit grünen Mandatsträgerinnen und -trägern aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen getroffen – natürlich konform mit den derzeitigen Regeln, statt „face to face“ „Bildschirm to Bildschirm“. Unser Thema: „Omobi“, das örtliches Rufbussystem aus Murnau.

Als Gäste durften wir die „Omobi“-Macher – die Abkürzung steht übrigens für „Oberland Mobilität“ – begrüßen, Clemens Deyerling und Robert Schotten. Der Murnauer Ortsbus auf Bestellung ist als Ergänzung zum ÖPNV gedacht. Durch das Rufbussystem wird den Benutzer*innen hohe Flexibilität in ihrer Mobilität geboten. Innerhalb eines festgelegten Betriebsgebietes können die Passagiere Startpunkt und Ziel ihrer Fahrt bestimmen. Je nachdem, wer gerade wo zusteigen möchte, plant ein smartes System im Hintergrund die Route des Ortsbusses. Es gibt weder feste Route noch festen Fahrplan. Der Bus fährt nach Bedarf, gesteuert über einen Algorithmus, der die Routen auf Basis des Bedarfs berechnet und die für alle Fahrgäste effizienteste und schnellste Route festlegt. Die beiden Geschäftsführer denken den öffentlichen Nahverkehr auf dem Land neu – und haben ein on-demand-Bussystem vor unserer Haustür geschaffen, das uns alle begeistert.

Und nicht nur uns. Wie Schotten und Deyerling erzählten, spricht der Rufbus in Murnau Menschen quer durch die verschiedenen Altersstufen an. Eltern, die ihre Kinder mit dem Bus zum Fußballtraining schicken, Schüler*innen, die schnell zur Mittagspause ins Zentrum wollen, ebenso wie Senior*innen oder Tourist*innen, die den Bus als Ergänzung nach der Anreise mit dem öffentlichen Verkehr nutzen.  Das eigene Auto wird im Bestfall stehen gelassen, stattdessen der Rufbus genutzt. Abgasemissionen werden eingespart, es herrscht weniger Gedränge auf den Straßen, Menschen kommen ins Gespräch, die flexible Routenplanung und die mehr als 200 verschiedenen Abhol- und Haltemöglichkeiten bieten den Nutzer*innen hohe Flexibilität.

Was die Fahrgäste brauchen, um den Bus nutzen zu können? Handy oder Telefon. Eine Fahrt lässt sich über die kostenlose Ortsbus-App oder einfach per Anruf buchen. Pro Fahrt zahlen die Gäste zwei Euro, länger als zehn Minuten warten die Mitfahrer*innen laut Deyerling und Schotten selten auf den Bus.

Ist das die Revolution für den Nahverkehr auf dem Land? Ist dieses System auch auf Kommunen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen zu übertragen? Wenn ja, wie? Welche Schwierigkeiten können auftreten und worauf ist bei der Planung zu achten? Über diese und viele weitere Fragen konnten wir mit den Omobi-Machern sprechen und kamen zum Schluss: Ein örtlicher Rufbus kann als attraktive Ergänzung zum Linienverkehr mehr Menschen auf dem Land dazu bewegen, ihr Auto stehen zu lassen oder vielleicht sogar ganz auf eine (Zweit-)Auto zu verzichten. Die hohe Flexibilität und die Einfachheit der Nutzung macht den Rufbus attraktiv für Menschen jeder Altersstufe. Ein Konzept, über das es sich lohnt nachzudenken! Und möglicherweise Zukunftsmusik auch für Kommunen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.