Totholz, wie hier in meinem Wald, sind Hotspots der Artenvielfalt (Foto: Büro Urban).

Darf die Opposition die Regierung auch mal loben? Ja, darf sie. Würden wir sogar gerne öfter! Immer dann nämlich, wenn sinnvolle und zukunftsweisende Entscheidungen getroffen und umgesetzt werden. So geschehen nun mit dem Netzwerk wilder Waldnatur, das Forstministerin Michaela Kaniber ausweisen lässt. 58.000 Hektar Staatswald werden damit unter dauerhaften Schutz gestellt, ein starkes Zeichen gegen den Verlust der Artenvielfalt. Konkret heißt das, dort darf, außer zur Verkehrssicherung und bei Schädlingsbefall, kein Holz mehr geschlagen werden.

Im Grunde ist dieser Schritt die Umsetzung eines der Verhandlungsergebnisse der Fachgruppe Wald, die sich am Runden Tisch im Zuge des Volksbegehrens zur Artenvielfalt 2019 regelmäßig ausgetauscht hat. Wir Grünen haben damals mit unserem Positionspapier die Diskussion mitgestaltet und eben auch mehr Naturwälder in Bayern gefordert, möglichst aufgespannt als flächendeckendes Netz über den gesamten Freistaat.

Damit dieses Kriterium – flächendeckend – künftig noch besser erfüllt wird, poche ich als forstpolitischer Sprecher meiner Fraktion weiterhin darauf, das Vertragsnaturschutzprogramm (VPN) Wald, das allen Waldbesitzer*innen Bayerns zur Verfügung steht, auszubauen und die bisher einschränkende Gebietskulisse endlich abzuschaffen. Nur auf diese Weise können wir politisch steuern, wie ein wirklich flächendeckendes Netz an Waldnaturschutzmaßnahmen entstehen kann, und so die Ziele des Volksbegehrens zur Rettung der Artenvielfalt und der EU-Biodiversitätsstrategie zügig umsetzen.

Fünf Prozent der Waldfläche in Bayern müssen demnach aus der Bewirtschaftung genommen werden; die bereits umgesetzten zehn Prozent aus dem Staatswald ergeben landesweit etwa einen Wert von 3,5 Prozent der bayerischen Waldfläche. Mindestens die fehlenden 1,5 Prozent könnten dann aus dem VNP generiert werden, ein weiteres Großschutzgebiet würde das Ganze noch toppen und zeigen, dass man auch mehr kann, als man muss – für die Biodiversität, für den Wald, für das Klima.

Wir sehen also, ein richtiger Schritt ist durch Staatsministerin Kaniber nun gemacht. Es sind aber noch einige weitere wichtige Schritte zu nehmen, um den Wald in Bayern auf ganzer Fläche als Klimaschützer und als wertvoll für den Erhalt der Arten zu stützen.

Was mich besonders freut: Mein Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beheimatet einen großen Teil der geschützten Wälder aus der Naturwald-Offensive. Dazu zählen im Süden des Landkreises etwa Wälder am Sylvensteinsee, zwischen der Jachenau und Kochel und östlich von Lenggries. Im Norden sind es die Auwälder entlang der Isar in Geretsried, Wolfratshausen und Icking.

Die Kulisse der neuen Naturwälder ist im „BayernAtlas“ unter https://v.bayern.de/wG33M detailgenau abrufbar.