Anfrage der Abgeordneten Hans Urban und Paul Knoblach (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) vom 24.04.2020 + Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 21.07.2020:

1.a) Welche Entscheidungsträger (wie z. B. ÄELF, LWF, UNB etc.) sind am Verfahren PSM-Einsatz gegen den Schwammspinner im Wald beteiligt?
Im Gesamtprozess der Schwammspinner-Behandlung sind die Bayerische
Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF), das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF), die betroffenen Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF), das Fachzentrum „Optimierung Fördervollzug“ des AELF Bamberg und die Zentrale Vergabestelle im Geschäftsbereich für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ZVSt) eingebunden. Darüber hinaus sind die Regierungen der betroffenen Regierungsbezirke, hier v. a. die Höheren Naturschutzbehörden (HNB), die zuständigen Unteren Naturschutzbehörden (UNB), das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) und die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) am Verfahren beteiligt. Im Jahr 2020 wurden zusätzlich die Regierung von Unterfranken mit dem Arbeitsbereich Wasserwirtschaft, die unterfränkischen Wasserwirtschaftsämter (WWA) sowie das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP) bei der Vorbereitung der Schwammspinnerraupen-Behandlung einbezogen.

1.b) Wie groß war der zeitliche Aufwand 2019 je Entscheidungsträger (bei den ÄELF bitte zusätzlich den Aufwand je AELF mit zugehöriger Behandlungsfläche angeben)?
Konkrete Zeiterfassungsdaten zu einzelnen Verfahren oder Verfahrensschritten liegen aufgrund der Buchungsmodalitäten der Verwaltungen nicht vor. Das gilt auch für die ÄELF, die zu großen Teilen die Schwammspinner-Prognose umsetzen. Tabelle 1 zeigt die am Verfahren 2019 beteiligten ÄELF und die Behandlungsfläche in ihrem Zuständigkeitsbereich.

1.c) Wie groß war der finanzielle Aufwand 2019 je Entscheidungsträger (bei den ÄELF bitte zusätzlich den Aufwand je AELF mit zugehöriger Behandlungsfläche angeben)?
Der finanzielle Aufwand für das Jahr 2019 in Form von angefallenen Material- und Sachkosten ist nach den betroffenen Verfahrensbeteiligten in nachfolgender Tabelle 2 aufgeführt.

2.a) Wie hoch waren 2019 die Kosten für den Hubschraubereinsatz, der auf ca. 1.400 ha in Franken durchgeführt wurde?
Rund 232.000 Euro (1.800 Hektar Behandlungsfläche).
2.b) Wie hoch waren hierbei die Kosten für das PSM Mimic?
Rund 83.000 Euro.
2.c) Wie hoch waren hierbei die Kosten für andere Arbeiten, wie z. B. Absicherung und Absperrungen der Behandlungsflächen etc.?
Als weitere Materialkosten im Rahmen der Befliegung fielen rd. 800 Euro für Hinweis- und Warnschilder zur Absicherung und Absperrung sowie rd. 120 Euro für die Bereitstellung von Wasser an.

3.a) Wie hoch waren die Kosten für die erstmalige Anschaffung der Pheromonfallen, die jährlich zur Falterprognose und -überwachung von der LWF eingesetzt werden (bitte Anzahl der Pheromonfallen und Gesamtkosten angeben)?
Die Anschaffungskosten für die 60 beschafften Pheromonfallen inklusive Lockmittel (Pheromonpräparat) betrugen insgesamt 1.800 Euro.
3.b) Wie hoch waren die Kosten für das erstmalige Ausbringen der Pheromonfallen (Personalkosten pro Falle)?
Verfahrensbedingt kann nicht von einem erstmaligen Ausbringen gesprochen werden, da die Pheromonfallen jedes Jahr neu aufgehängt und nach Gebrauch wieder abgehängt werden. Die Kosten für den Auf- und Abbau betragen pro Falle und Jahr etwa 32 Euro.
3.c) Wie hoch waren die Kosten für das Aufsuchen der Fallen und Auswerten der Fangzahlen 2019?
Rund 5.000 Euro.

4.a) Wie hoch waren die Kosten und der zeitliche Aufwand für die erstmalige Anlage der 2.800 Suchtrakte in Franken durch die LWF?
Aussagen zu Kosten und Aufwand der erstmaligen Anlage der Suchtrakte sind verfahrensbedingt nicht möglich. Jedes Jahr werden je nach Ausbreitung und Häufigkeit des Schwammspinners unterschiedlich viele bzw. neue Monitoringtrakte aufgenommen. Die Verantwortung für die Suchtrakte obliegt nicht der LWF, sondern den örtlich zuständigen ÄELF. Die Populationsentwicklungen verschiedener, potenzieller Schadorganismen im Wald, so auch die des Schwammspinners, werden unabhängig von geplanten Behandlungsmaßnahmen jährlich überwacht.
4.b) Wie hoch waren die Kosten und der zeitliche Aufwand für das Absuchen von Eichen- bzw. Hainbuchenstämmen nach Eigelegen 2019 durch die LWF, um eventuelle Gefährdungsflächen zu identifizieren?
Der LWF sind hierfür kein zeitlicher Aufwand und keine Kosten entstanden. Denn die Schwammspinner-Prognose über Aufnahmen der Eigelege entlang von Suchtrakten wird im Rahmen der allgemeinen Dienstaufgaben durch die ÄELF, die Waldbesitzer (z. B. Bundesforsten, Private) bzw. ihren Bewirtschaftern und Angestellten (z. B. BaySF, kommunale Förster, FBG) übernommen. Auf Basis von Erfahrungswerten wird der zeitliche Aufwand je Trakt inklusive Datenverarbeitung auf eine Stunde und 15 Minuten geschätzt.
4.c) Wie hoch waren die Kosten für externe Arbeitskräfte, die z. B. mit der Fallenkontrolle und der Eigelegesuche beauftragt wurden (bitte aufschlüsseln nach Auftrag und Auftragshöhe)?
Die Forstverwaltung hat 2019 keine bezahlten, externen Arbeitskräfte (Unternehmer) für die Schwammspinner-Überwachung beauftragt.

5.a) Wie viele Hektar Gefährdungsfläche bzw. Behandlungsfläche für 2020 wurde ausgewiesen?
Von der ursprünglich ca. 8.500 Hektar großen potentiellen Gefährdungsfläche wurden nach Abzug der Flächen, die z. B. aus Gründen des Natur- und Wasserschutzes, der fehlenden Anmeldung des Waldbesitzers oder für eine Befliegung ungünstige Flächenform herausgenommen wurden, rund 2.800 Hektar behandelt.
5.b) Wie viel Geld wurde bisher für die Prognose und Abgrenzung der Gebiete ausgegeben (bitte wieder für alle Akteure auflisten)?
Die nachfolgende Tabelle (Tab.3) listet die aufgewendeten Material- und Sachkosten für die Prognose und Abgrenzung der Gebiete 2020 nach betroffenen Akteuren auf.

6.a) Wie hoch waren die Kosten 2019 für die Vorort-Kartierung zur Erfolgskontrolle des PSM-Einsatzes in behandelten und unbehandelten Waldgebieten, die von der LWF durchgeführt wurden (bitte Kosten/ha und Gesamtkosten angeben)?
Die Gesamtkosten für die Erfolgskontrolle des Pflanzenschutzmitteleinsatzes betrugen etwa 9.300 Euro. Eine Angabe der Kosten je Hektar ist verfahrensbedingt nicht möglich.
6.b) Wie hoch waren die Kosten zur Auswertung der Daten an der LWF?
Rund 1.300 Euro.

7.a) Welche PSM-Präparate testet die LWF außer Mimic?
Die LWF hat im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der Schwammspinner-Massenvermehrung im Jahr 2017 die Pflanzenschutzmittel Dipel ES und Dimilin ES sowie 2018 die Präparate Foray 76 B und XenTari getestet.
7.b) Wie hoch sind die Kosten hierfür pro Jahr (Personal und Material bitte getrennt aufführen)?
Die Kosten für die unter 7.a) genannten Versuche mit anderen Pflanzen-schutzmitteln sind in nachfolgender Tabelle (Tab.4) aufgeführt.

7.c) Was erwartet sich die Staatsregierung von den Ergebnissen?
Die Untersuchungen erlauben es, den Wirkungsgrad und die Verweildauer auf den Blättern der verschiedenen getesteten Pflanzenschutzmittel bei unterschiedlichen Bedingungen, beispielsweise in Abhängigkeit von den Witterungseinflüssen und dem Alter der Raupenstadien, zu ermitteln. Dadurch können die Effektivität der Präparate und die Rolle der Anwendungsbedingungen verprobt werden. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für die Beurteilung einer ausgewogenen PSM-Behandlung.

8.a) Welche Projekte zum PSM-Einsatz gegen den Schwammspinner werden von der Staatsregierung derzeit unterstützt bzw. sind geplant?
Das StMELF finanziert gegenwärtig das interdisziplinäre Forschungsvorhaben „Ermittlung forstlicher und ökologischer Kosten und Handlungsoptionen bei Massenvermehrungen des Schwammspinners in Bayern“ (Projektkonsortium Technische Universität München – Lehrstuhl für Terrestrische Ökologie (Projektleitung), Technische Universität München – Lehrstuhl für Waldwachstumskunde, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie; Laufzeit: 01.12.2018 bis 31.12.2021; Fördersumme: 1.343.000 €). Weitere Forschungsprojekte zum PSM-Einsatz gegen Schwammspinner sind derzeit nicht geplant.
8.b) Inwieweit forscht die LWF auch an der Weiterentwicklung alternativer Bekämpfungsmethoden (Baculovireneinsatz, verschiedene Abfangmethoden etc.)?
Die LWF forscht aus fachlichen Gründen momentan nicht an alternativen Behandlungsmethoden von Schwammspinnerraupen. Unter anderem sind zulassungsrechtliche und gesetzliche Voraussetzungen für alternative Präparate aktuell nicht gegeben.
8.c) Wie hoch ist die finanzielle Unterstützung für die laufenden bzw. geplanten Projekte (bitte Projekt mit jeweiliger Fördersumme auflisten)?
Siehe Antwort zu Frage 8.a)