Sie sind selten in Bayern: Betriebe, auf denen Agroforstwirtschaft in der Praxis umgesetzt wird. Einen davon haben wir in der Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze, gefunden. Den Biohof von Alfons und Birgit Vogl, die Hammermühle im Landkreis Cham.

Wobei das nicht ganz richtig ist. Gefunden hat eigentlich Alfons Vogl uns. Er hat sich bei uns gemeldet, nachdem im Mai unser Antragspaket zur Agroforstwirtschaft im Agrarausschuss abgelehnt worden war. Mit Alfons Vogls Erlaubnis möchte ich aus seiner Mail an uns zitieren:

„Vielen Dank für Ihre Initiative im Landtag zur Förderung von Agroforstsystemen. Ich kann Ihnen hier nur Recht geben. Seit gut 20 Jahren bewirtschaften wir hier in der Oberpfalz einen landwirtschaftlichen Betrieb von ca. 30 ha, anerkannt biologisch. Schon seit noch längerer Zeit baue ich diesen Betrieb schrittweise in ein Agroforstsystem um. Obwohl dies ökologisch, ökonomisch und auch landschaftskulturell sehr positive Auswirkungen hat, wirkt es sich auf die Agrarförderung durch das Landwirtschaftsamt immer wieder negativ aus, und bremst mich mit meinen Ideen auch immer wieder ein.“

Alfons Vogl bringt das bayerische Dilemma auf den Punkt: Agroforst – also die Kombination von Viehhaltung oder Ackerbau mit Gehölzen – wirkt. Aber das Agrarförderrecht macht Agroforstwirtschaft so unattraktiv, dass sich die allermeisten Landwirt*innen gar nicht erst rantrauen an diese Form der Landwirtschaft. Besonders ärgerlich: Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat erst im Juli angekündigt, dass sich die Landwirtschaft in Bayern mit dem Klimawandel wird ändern müssen. Sie plant einen neuen Forschungsstandort für standortgerechte Lösungen für die Trockengebiete Bayerns. Grundsätzlich zu befürworten. Warum aber bereits existierende Forschungsergebnisse zur Agroforstwirtschaft und ihren vielfältigen Vorteilswirkungen ignoriert werden und Bayern Agroforst einfach nicht ins Förderrecht aufnehmen will, das bleibt Frau Kanibers Geheimnis.

Unser Besuch in der Oberpfalz jedenfalls machte deutlich: Agroforst wirkt. Zum Beispiel als Windbremse, was wir an dem windigen Besuchstag zwischen den Obstbäumen von Alfons Vogl an der eigenen Haut spüren konnten. Die Gehölze tragen, gerade auch bei den schwierigen Erden in der Oberpfalz, zum Humusaufbau bei. Die Bäume werfen Schatten und halten somit Feuchtigkeit am Boden, der ansonsten Gefahr läuft schnell auszutrocknen. Gerade im Trockensommer 2019, so erzählt uns Alfons Vogl, sei ganz augenscheinlich gewesen, wie viel gesunder und saftiger der Bewuchs unter den Bäumen im Vergleich zu dem auf freier Fläche war. Die Folge: Seine Mutterkuhherde hält sich wie selbstverständlich lieber unter den Bäumen auf als in der prallen Sonne. Dort finden die Tiere mehr zu fressen und angenehm kühl ist es ganz nebenbei auch noch. Im Herbst, wenn der Grasbestand weniger wird, können sie sich dort am Fallobst laben. Sogar Eicheln würden seine Kühe mit Genuss fressen. „Das wirkt wie Kraftfutter“, so Vogl.

Und so profitierten alle von Vogls Experimentierfreude: der Boden, seine Tiere und letztlich auch er selbst, der sich so viel Obst von seinen Bäumen holt, wie er eben braucht und den Rest seinen Tieren überlässt. Nicht nur mir seiner Mutterkuhherde funktioniert sein Agroforstsystem hervorragend. Auch Wollschweine hat Vogl schon unter seinen Bäumen gehalten. Und auch seine Experimente mit Kartoffel- und Getreideanbau haben ihn zufrieden gestellt. „In der Agroforstwirtschaft liegt einfach ein riesiges Potenzial. Nur liegt es in Bayern leider brach“, so Vogl.

Wir Grüne werden uns im Landtag weiter dafür einsetzen, dass sich das ändert. Und hoffen auf das Einlenken der Staatsregierung. Denn dass sich die bayerische Landwirtschaft an die klimawandelbedingten Veränderungen anpassen muss, hat man im Landwirtschaftsministerium ja bereits erkannt. Jetzt muss nur noch verstanden werden, dass die Agroforstwirtschaft ein Baustein von vielen in diesem nötigen Veränderungsprozess sein muss – ein Baustein, den es gilt zu fördern!