Anfrage zum Plenum des Herrn Abgeordneten Hans Urban (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) + Antwort des Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie vom 08.07.2020:

Welche Unterstützung für Planungsaufgaben im Bereich des Tagestourismus lässt die Staatsregierung bereits jetzt und künftig Kommunen zukommen, um sie beim Umgang mit und der Lenkung von Besucher*innenströmen zu unterstützen, die sich gerade durch die Corona-Krise an bestimmten touristischen Hotspots in Bayern noch verstärkt haben, welche Fördermöglichkeiten können die regionalen Planer hier abschöpfen und inwieweit möchte die Staatsregierung einer übergeordneten, überregionalen Planungsstruktur Vorschub leisten (konkrete Maßnahmen), um künftig besser mit der Herausforderung „Overtourism“ umgehen zu können?

Antwort des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie:

Die letzten Wochen waren für die bayerische Tourismusfamilie alles andere als leicht. Inzwischen nimmt der Tourismus in Bayern wieder Fahrt auf. Urlaub und Tagesausflüge sind wieder problemlos möglich. Aufgrund der Corona Pandemie und den nötigen Abstands- und Hygieneregeln verschieben und konzentrieren sich allerdings Besucherströme von Übernachtungsgästen und Tagestouristen. An sog. „Hotspots“ kann das u.a. zu starken Verkehrsbelastungen führen. Häufig entstehen solche Überlastungen durch den Ausflugs- und Freizeitverkehr aus den bayerischen Ballungsgebieten (insb. München und Augsburg) in die nahegelegenen Regionen insbesondere im Voralpen/Alpenraum, vor allem bei gutem Wetter und an einzelnen Wochenenden/ Feiertagen.

Kein Gast muss Angst haben, dass es in Bayern im Sommer zu eng wird. Bayern hat ausreichend Kapazitäten für Urlaubsgäste und Tagesausflüge Einheimischer. Bayern ist groß, vielfältig und hat gerade in der Fläche viel zu bieten. Wer Sorge hat, dass es an einem bestimmten Tag an einem Ort zu voll wird, findet bestimmt auch abseits der Hauptpfade viele Sehenswürdigkeiten und verborgene Schätze und bestimmt sein ganz persönliches Urlaubs- oder Ausflugs-Highlight. Es wird daher in der Bewerbung sowohl auf Landesebene durch die Bayern Tourismus Marketing GmbH, als auch kleinräumiger durch die regionalen Tourismusverbände grundsätzlich darauf geachtet, den Tourismus in Bayern in der Fläche und besonders auch abseits der bekanntesten Sehenswürdigkeiten mit Blick auf einen sanften Tourismus zu vermarkten.

Aber: Um die durch die Corona-Auflagen eingeschränkten touristischen Kapazitäten optimal zu nutzen und zugleich eine Überlastung von touristischen Hotspots durch intensiven Ausflugsverkehr zu vermeiden, hat Herr Staatsminister Aiwanger sich Anfang Juli in Garmisch-Partenkirchen mit Kommunalvertretern der am stärksten betroffenen Regionen zusammengesetzt und mögliche Lösungen für die Besucherlenkung disku-tiert. Der Freistaat wird weiter im Austausch mit den Kommunen bleiben und diese bei der Lösung ihrer Probleme bestmöglich unterstützen.

Um Besucherströme effizient zu lenken, kann auch der seit Kurzem vom Tourismusverband Oberbayern München betriebene Ausflugsticker Oberbayern dienen, der auch mobil per Smartphone aufrufbar ist. Um zu einer raschen Besucherlenkung zu kommen, pflegen Destinationen und Freizeitbetriebe tagesaktuell das Besucheraufkommen in den Ausflugsticker ein, die Ergebnisse werden gebündelt auf https://www.oberbayern.de/ausflugs-ticker/ ausgespielt. Berchtesgaden und Starnberg bieten bereits Echtzeitdaten an. Viele Medien berichten intensiv über diese neue Plattform, so können Reiseentscheidungen besucherabhängig beeinflusst werden. Hier wird der Freistaat Bayern dabei unterstützen, dass der Ticker auch für ganz Bayern verfügbar wird.

Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie hat schon früh eine Analyse in Auftrag gegeben, um Möglichkeiten einer effizienten Besucherlenkung zu untersuchen und zu entwickeln. Hierzu wurde bereits in einer Anfrage zum Plenum zur Plenarsitzung am 17.06.2020) berichtet (Drucksache 18/8539, S.60, 61).

Zudem stellt die Staatsregierung eine Vielzahl von Unterstützungsleistungen für die Kommunen bereit. So können beispielsweise innovative digitale Lösungen unter gewissen Voraussetzungen durch die Förderrichtlinie „Heimat Digital“ des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat gefördert werden. Mit dem LEADER-Programm unterstützt das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten die ländlichen Regionen auf ihrem Weg einer selbstbestimmten Entwicklung – ganz nach dem Motto “Bürger gestalten ihre Heimat”. Dabei können beispielsweise auch Projekte zur Stärkung eines nachhaltigen, sanften Tourismus und der regionalen Wertschöpfung unterstützt werden. Die Richtlinien zur Förderung von umwelt- und klimaverträglichen Naturerlebnis- und Naturtourismusangeboten in bayerischen Kommunen (FöRNatKom) des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz bieten Kommunen verschiedene Möglichkeiten, um maßgeschneiderte Angebote im Rahmen eines naturtouristischen Gesamtkonzeptes zu entwickeln und umzusetzen und so auch Besucherströme zu lenken.