Wir müssen auch beim Wald mit Wumms aus der Krise! Wald, Waldbesitzer*innen und Forstwirtschaft brauchen jetzt Unterstützung, die langfristig ist und in der Fläche wirkt.

Es braucht mehr Totholzelemente in Bayerns Wäldern. (Foto: Büro Urban)

Mit einem Antragspaket zum Walderhalt möchte ich die bayerischen Wälder sowie die Forstwirtschaft aus der Krise führen. Der Klimawandel fordert Wald und Waldbesitzer*innen in Bayern heraus. Es heißt jetzt die richtigen Antworten zu geben. Der Waldumbau muss deutlich schneller voran gehen, die katastrophale Situation am Holzmarkt muss aufgefangen, die Waldbesitzer*innen müssen gestärkt werden.

Die Pressekonferenz zum Nachschauen gibt es hier.

Unser grünes Antragspaket „Herausforderung Klimawandel – Walderhalt jetzt“ umfasst sieben Einzelanträge, mit denen wir Grüne im Bayerischen Landtag die Forstbranche weiter handlungsfähig und den Wald als Lebensraum, Kohlenstoffsenke und Rohstofflieferant zukunftsfähig erhalten wollen. Denn: Wir müssen auch beim Wald mit Wumms aus der Krise!

Konkret bedeutet das: mehr Förster*innen auf der Fläche. Seit der Forstreform sind die Stellen in Bayern fast um die Hälfte reduziert worden. Die Fläche, die ein*e einzelne*r  Förster*in heute betreut, hat sich im Gegenzug teilweise mehr als verdoppelt. Zudem steigen die Anforderungen an das Forstpersonal im Zuge der Klimakrise. Unsere Förster*innen kämpfen an zu vielen Fronten gleichzeitig: draußen im eigenen Revier, bei der Beratung der Waldbesitzer*innen und im Büro mit immer komplexeren Förderrichtlinien. Das alles ist mit dem vorhandenen Personal, auch bei großem persönlichem Einsatz, nicht zu stemmen. Die Staatsregierung spart hier auf dem Rücken unserer Wälder.

Hinzu kommt der Mehraufwand in Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit (ÖA). Die forstliche ÖA nimmt immer mehr Zeit in Anspruch, weil die Menschen die vom Klimawandel bedingten negativen Veränderungen bei jedem Spaziergang im Wald feststellen. Sie sind sensibler geworden und haben Fragen. Das begrüßen wir. Diese Entwicklung muss aber auch entsprechend begleitet und die Bevölkerung eingebunden werden, um Akzeptanz für die Maßnahmen im Wald zu schaffen.

Finanzieren wollen wir die neuen Stellen mit Mitteln aus dem Waldpaket des Bundes sowie aus dem Maßnahmenpaket „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“, in das die Forstwirtschaft explizit mitaufgenommen worden ist. Allein aus dem Waldpaket fließen voraussichtlich mehr als 100 Millionen Euro nach Bayern, aus dem Konjunkturpaket weitere 700 Millionen. Es gilt, die Bundesmittel nachhaltig einzusetzen und in die Fläche zu bekommen. Einzelne Baumpflanzaktionen, wie sie die Staatsregierung plant, bringen uns hier nicht weiter.

Weiter fordern wir eine Stärkung der Forstlichen Zusammenschlüsse*, die Weiterentwicklung des Vertragsnaturschutzprogramms Wald** sowie die Ergänzung des Waldbaulichen Förderprogramms 2020***.

Die letzte Säule, auf der unser Antragspaket fußt, ist der Holzbau. Wir müssen das 10.000-Häuser-Programm sinnvoll weiterentwickeln. Zudem müssen öffentliche Bauten eine Vorbildfunktion einnehmen. Wenn der Staat künftig ein Haus baut oder Mittel dafür auszahlt, muss mit Holz gebaut werden. In jeden Landkreis in Bayern fließen Gelder für Turnhallen und Schulen, für den Bau von Wohnungen. Eine Holzbauquote wäre das Optimum. Zumindest aber muss die Höhe der Förderung vom Grad der Nachhaltigkeit, sprich vom Einsatz nachhaltiger Rohstoffe, abhängen.

Es gilt, ein Signal an die Waldbesitzer*innen zu senden, dass es weitergeht, damit sie vor den vielfältigen Herausforderungen, vor denen sie stehen, nicht kapitulieren. Der Staat ist gefragt, für bessere Strukturen und stärkeren Rückhalt für die Waldbesitzer*innen zu sorgen.

Die Anträge werden am Mittwoch, 24. Juni, im Agrarausschuss behandelt, live zu verfolgen ab 9.15 Uhr hier.

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*Wir fordern eine engere Zusammenarbeit von Bayerischen Staatsforsten (BaySF), Forstverwaltung und Forstlichen Zusammenschlüssen (FZUS). Eine Stärkung der FZUS ist dringend notwendig, um langfristig Perspektiven und Liquidität zu schaffen. Die Forstlichen Zusammenschlüsse spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung der Waldumbauoffensive, deshalb muss ihre Förderung unabhängiger vom Holzmarkt gestaltet werden.

**Das Vertragsnaturschutzprogramm Wald muss weiterentwickelt werden. Das Programm spielt eine wichtige Rolle für die Umsetzung nationaler und internationaler Biodiversitätsprogramme, weshalb wir unter anderem das Wegfallen der Gebietskulisse fordern. Naturschutzfachlich sinnvolle Maßnahmen müssen bayernweit umgesetzt und gefördert werden, damit wir Biodiversität vermehrt auch im Privatwald und damit in der Fläche erhalten.

***Das Waldbauliche Förderprogramm 2020 (WALDFÖPR) muss ergänzt werden. Ziel der Zuwendung ist es, einen Beitrag zum Schutz der Biodiversität, zur Verbesserung von Ökosystemleistungen und zum Erhalt von Lebensräumen zu leisten. Es ist deshalb unerlässlich, dass der Fördertatbestand „Bereicherung von Waldlebensgemeinschaften“ entsprechend der vorhergehenden Richtlinien, wieder in die aktuelle WALDFÖPR aufgenommen wird.