Traditionelles Agroforstsystem: die Streuobstwiese.

Agroforst – was etwas sperrig und unverständlich klingt, ist ein altbekanntes System: Bäume und Gehölze beleben in Streifen, Gruppen oder einzeln die landwirtschaftlichen Flächen, also Äcker, Wiesen und Weiden. Prominentestes Beispiel sind Streuobstwiesen. Das Zusammenspiel von Bäumen, Gehölzen, Landwirtschaft und Tierhaltung wirkt sich positiv auf den Wasserhaushalt, die Bodenfruchtbarkeit, Humusbildung und Tierwohl aus.

Angesichts von zunehmender Bodentrockenheit oder Wassererosion durch Unwetter, die durch den Klimawandel auch in Bayern drohen, wollten wir mit unseren Anträgen die Anlage von Agroforstsystemen in Bayern erleichtern, mögliche Förderungen anschieben, Forschung, Beratung und Bildung dazu ausbauen und interessierten Landwirt*innen den Weg für Agroforstsysteme ebnen.

Großes Interesse an unseren Anträge zeigen Wissenschaftler der TU München, Experten der Landesanstalt für Landwirtschaft, der deutsche Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) und Praktiker*innen, die Agroforstsysteme auf ihren landwirtschaftliche Flächen ausprobieren und Erfahrungen austauschen und sammeln wollen.

Alle unsere sieben Anträge (siehe unten) wurden aber im letzten Landwirtschaftsausschuss von den Regierungsparteien abgelehnt mit der lapidaren Begründung, das passe nicht zu Bayern und Bayern sei nicht Brandenburg. Zur Untermauerung der Ablehnung wurde ein Wikipedia-Artikel zitiert, der Agroforstsysteme in den Tropen verortet. Derart oberflächliche Scheinargumente hat dieses zukunftsträchtige Thema nicht verdient! Und auch nicht jenes, dass wir Grüne den bayerischen Bäuerinnen und Bauern die Agroforstwirtschaft aufoktroyieren wollten. Wir wollen lediglich endlich die Möglichkeit für einen angemessene Förderung schaffen und damit den Landwirt*innen mehr Entscheidungsspielraum bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen ermöglichen.

Wir fordern hier eine kompetentere Auseinandersetzung. Nur ein Beispiel: Trotz der drängenden Wasserprobleme in Franken, setzen CSU und FW nur auf Bewässerungstechnik, dabei sind Agroforstsystem großflächig machbare Alternativen, die nachweisbar einen positiven Einfluss auf den Wasserhaushalt haben, was wiederum wirtschaftliche und produktionstechnische Vorteile mit sich bringt.

Eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft muss langfristig ökonomisch sinnvoll und sozial und ökologisch verantwortbar sein. Wir Grüne im Bayerischen Landtag sind überzeugt, dass Agrofostwirstschaft, also Bäume und Gehölze auf Äckern, Wiesen und Weiden, in diesem Zusammenhang viele Vorteile bietet und eine echte Chance ist: für die Natur und für die Bäuerinnen und Bauern, egal ob konventionell oder biologisch wirtschaftend. Deshalb werden wir auch nicht locker lassen!