Hans Urban wendet sich mit einem Offenen Brief an den Bundesinnenminister, die bayerische Forstministerin sowie den bayerischen Innenminister

Aufgrund der Corona-bedingten Ausfuhrbeschränkungen stockt der Absatz auf dem bayerischen Holzmarkt. (Foto: Büro Urban)

München/Oberbayern – Mit einem „Offenen Brief“ (siehe unten) hat sich der grüne Landtagsabgeordnete Hans Urban an die bayerische Forstministerin Michaela Kaniber, den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann sowie seinen Kollegen im Bund, Horst Seehofer, gewendet. Der forst- und jagdpolitische Sprecher der grünen Landtagsfraktion fordert darin, Holzexporte in die Nachbarländer schnellstmöglich wieder auf den üblichen Routen zu ermöglichen. Denn durch aktuell geschlossene Grenzübergänge und Kontrollen an den offenen Grenzen verschärft sich die Krise der bayerische Holzbranche weiter.

„Wir stehen im dritten Trockenjahr in Folge, die Wälder in Bayern und Deutschland kämpfen mit der Klimakrise. Dürre, Schädlinge und Stürme lassen die anfallenden Schadholzmengen stark steigen“, erklärt Urban. „Der Holzpreis war daher bereits vor der Corona-Pandemie am Boden. Das Virus und dessen Bekämpfung haben die Lage für die Waldbäuerinnen und -bauern in Bayern nun weiter verschärft. Durch die Exportbeschränkungen bricht der Holzmarkt noch weiter in sich zusammen, für die großen Mengen Schadholz verzögert sich die Abnahme bei Sägewerken im In- und Ausland immer weiter.“

Für die Holzabfuhr aus dem bayerischen Oberland bedeutet das nichts Gutes. Da der Grenzübergang Ursprungpass von Bayrischzell nach Landl (Österreich) noch immer geschlossen ist, müssen Holztransporter den Umweg über Kiefersfelden nehmen. „Dort stehen sie aufgrund der Kontrollen oft lange im Stau“, so Urban. Und selbst am offenen Grenzübergang Achenpass werden Umwege nötig, weil die Verbindungsstraße vom Sylvensteinspeicher zum Grenzübergang geschlossen ist. „Holztransporter aus dem Isarwinkel müssen also den Umweg über den Tegernsee fahren“, so Urban. „Der Sinn dieser Sperre kann beim besten Willen nicht nachvollzogen werden.“

Alexander Necker, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen, bestätigt die Probleme: „Es ist für Waldbesitzer, Fuhrunternehmen und Sägewerke existentiell wichtig, dass die nicht unerheblichen Schadholzmengen aus dem Sturm Sabine und Folgestürmen, die jetzt noch im Wald und an der Forststraße liegen, schnellstmöglich und auf dem kürzesten Weg an unsere Partnersägewerke in Tirol geliefert werden können. Diese Sägewerke produzieren derzeit und brauchen das Holz. Der ab April wieder schwärmende Fichtenborkenkäfer verschärft die Situation erheblich. Wirtschaftlich verheerende Folgen für unsere Waldbesitzer sind zu befürchten.“

Urbans Forderungen in seinem Schreiben an die Minister*in nehmen Bezug auf die Aussagen von Wissenschaftler*innen, die den Sinn der Grenzschließungen zur Virusbekämpfung generell in Frage stellen. „Mit diesem Wissen sollte doch zumindest eine zeitweise Öffnung der Grenzen möglich sein“, so Urban, „vielen Branchen wäre damit geholfen, der bayerischen Holzbranche ganz besonders.“ Die weiten Umwege verteuern das Holz erheblich, österreichische Abnehmer sind oftmals nicht bereit, diese höheren Preise mitzutragen. „Viel Holz bleibt so im Wald liegen und bietet dem Borkenkäfer eine perfekte Angriffsfläche.“

Auch aus ökologischer Perspektive seien die derzeitig verordneten weiten Umwege nicht länger hinnehmbar. „Wir müssen hier zu einer praktikablen Lösung finden. Der Bundesinnenminister ist gefragt und muss geschlossene Grenzübergänge wenigstens für den Warenverkehr wieder öffnen.“