Es gibt sie auch: die guten Nachrichten in diesen schwierigen Zeiten, die ganz im Zeichen der Corona-Krise stehen. Eine davon, die mich ganz besonders gefreut hat, war die, die uns aus der Andechser Bio-Molkerei Scheitz vor wenigen Tagen erreicht hat. Wegen anhaltend hoher Nachfrage sucht die Molkerei ab sofort nach Biobauern, die zusätzliche Milch liefern können. Die Molkerei will ihre Kapazitäten um bis zu zehn Prozent erhöhen, hat Chefin Barbara Scheitz angekündigt. Grund: Die konstant steigende Nachfrage nach Biomilchprodukten über die vergangenen Monate.

Das zeichnet eine Entwicklung ab, die wir Grüne schon lange sehen und von deren Fortgang wir überzeugt sind. Ein Umdenken bei Verbraucherinnen und Verbrauchern findet statt, das Bewusstsein für gesunde Lebensmittel wächst, das Vertrauen in die Biobranche nimmt zu, die Nachfrage wird weiter steigen.

Noch im Sommer 2019 gab es auch bei der Andechser Molkerei Wartelisten für umstellungswillige Bauern, wie mir Barbara Scheitz bei meinem damaligen Besuch erzählte. Für mehr biologische Milchprodukte in den Regalen der Lebensmittelmärkte brauche es eben auch die entsprechend wachsende Zahl an Abnehmer*innen.

Von den Bremsern der Biomarktentwicklung hieß es folglich damals schnell, der Markt sei gedeckelt, er könne die vom Artenschutzvolksbegehren festgelegte Zielvorgabe von 30 Prozent Biolandwirtschaft in Bayern bis 2030 überhaupt nicht aufnehmen. Doch kein Jahr später wird am Beispiel Andechser klar: Die Verbraucherinnen und Verbraucher beweisen einmal mehr, dass dem nicht so ist. Natürlich braucht auch ein dynamisch wachsender Biomarkt seine Zeit sich zu entwickeln, natürlich enstehen kurzzeitige Wartelisten, wenn plötzlich viele Bäuerinnen und Bauern auf einmal umstellen wollen, doch langfristig betrachtet stimmt die Entwicklung. Steigende Nachfrage führt zu steigendem Angebot, das zeigt das Beispiel der Andechser Molkerei aktuell ganz deutlich.

Diese Entwicklung legt auch dar, welch großes Potenzial in der Biolandwirtschaft liegt, wenn nur erst Anreize gesetzt werden. Das ist vor allem Aufgabe der Politik. Die Staatsregierung von CSU und Freien Wählern muss hier ihre Möglichkeiten endlich ausschöpfen. Gerade nach der überstandenen Corona-Krise wird es wichtig sein, die heimische Wirtschaft anzukurbeln. Die von uns Landtagsgrünen in Auftrag gegebene Studie “Mehr Bio für Bayern” zeigt ganz deutlich, worin die Möglichkeiten bestehen, den Absatzmarkt für Bioprodukte stärker zu fördern. Vor allem in der Gemeinschaftsverpflegung liegt hohes Potenzial brach.

Deshalb braucht es Anreize, klare Regelungen und das Vorbild Staat, um den Biomarkt weiter zu stärken. Letztlich sind Biolebensmittel nicht nur für uns, die wir sie essen, am gesündesten. Sie stehen auch für die größtmögliche Wertschöpfung für Bäuerinnen, Bauern und Bio-Mittelständler wie die Molkerei Scheitz. Sie bedeuten ein hohes Maß an Tierwohl in der Landwirtschaft. Ganz zu schweigen von den umfassend positiven Wirkungen auf unsere Natur und Umwelt, die die ökologische Landwirtschaft erbringt.

Bei meinem Besuch in der Andechser Molkerei Scheitz im Sommer 2019 im Gespräch mit Prokurist Christian Wagner (links). (Foto: Büro Urban)