Mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Grundkurses am Haus der Bayerischen Landwirtschaft in Herrsching und den MdL-Kollegen Sebastian Körber (FDP) und Klaus Steiner (CSU).

Besuche im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching am Ammersee bereiten immer wieder Freude. Am vergangenen Donnerstag hatte ich Gelegenheit, mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Herrschinger Grundkurs zu diskutieren. Thema: Landwirtschaft 2030 – Visionen und Ziele. Ich stellte den jungen Leuten vor, wie wir Grüne uns die Zukunft für landwirtschaftliche Betriebe und die ländlichen Räume vorstellen.

Für mich ist dabei ganz klar. Wir stehen vor großen Herausforderungen in der und für die Landwirtschaft. Wir beobachten seit Jahrzehnten ein Höfesterben in Bayern. Allein von 2010 bis 2018 ist die Zahl der Höfe in Bayern um 13.860 gesunken. Und das, obwohl jährlich rund eine Milliarde an Fördergeldern aus dem Agrarbudget nach Bayern fließt. Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) prognostiziert, dass in den kommenden zehn Jahren allein knapp 12.000 Milchviehbetriebe in Bayern ihre Ställe schließen werden. Diese Entwicklung verdanken wir einer vollkommen falschen Agrarpolitik in den letzten Jahrzehnten. Wir müssen endlich effektiv gegensteuern, um diese Entwicklung zu stoppen. Regierende Agrarpolitiker in der EU, im Bund und in Bayern dürfen nicht länger zusehen und müssen endlich wirksame Maßnahmen ergreifen.

Daneben beobachten wir seit Jahren, welch großes Potenzial in der ökologischen Bewirtschaftungsweise für die Höfe steckt. Im Wirtschaftsjahr 2017/18 übertraf das durchschnittliche Einkommen der Öko-Betriebe das Einkommen der konventionellen Vergleichsbetriebe um 22 %. Öko lohnt sich – nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten für Umwelt, Mensch und Natur, sondern auch für die Wertschöpfung auf den bayerischen Betrieben. Diese Chance gilt es zu nutzen! Gerade für den Nachwuchs.

Zwei riesige Herausforderungen, vor denen wir als Gesellschaft, aber vor allem auch Bauern und Bäuerinnen in Bayern stehen, sind der menschgemachte Klimawandel und der Verlust an Arten. Letzterer hat sich in den vergangenen 10 Jahren als weit dramatischer erwiesen als erwartet. Wir Menschen tragen zu beidem in riesigem Ausmaß bei, dabei geht es um unser aller Lebensgrundlage, die Erde. Auch die Landwirtschaft, und damit jeder einzelne Bauer und jede einzelne Bäuerin, muss sich deshalb ihrer Verantwortung bewusst sein.

Meine Botschaft an die jungen Landwirtinnen und Landwirte ist deshalb einfach und eindeutig: Wir Bäuerinnen und Bauern nehmen die Herausforderungen der Zeit und die Anforderungen der Gesellschaft an und tragen zu ihrer Lösung bei. Wir machen uns zu Vorreiter*innen, setzen uns an die Spitze der Umweltbewegung und lassen uns unser Engagement als Ökosystemdienstleister*innen entsprechend honorieren! In der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewegung liegt eine große Chance für uns Landwirtinnen und Landwirte. Lassen wir sie nicht verstreichen, setzen wir uns für Artenvielfalt und Umweltschutz ein!

In kleineren Diskussionrunden mit den Grundkursteilnehmer*innen vertieften wir im Lauf des Nachmittags die fachlichen Debatten, die wie immer interessant und aufschlussreich waren und Einblick in die Überlegungen der jungen Leute gaben. Danke für die Einladung und den spannenden Nachmittag in Herrsching.