Grüne wollen den Tagestourismus im Alpenraum besser in den Griff bekommen

Hans Urban: „Der Freistaat darf die Gemeinden mit den Problemen, die sich aus den steigenden Ausflügler-Zahlen ergeben, nicht allein lassen“

Bad Tölz-Wolfratshausen/Garmisch-Partenkirchen – Zuletzt hat es den Anwohner*innen am Walchensee gereicht. Unter dem Motto „Uns stinkt’s“ sind sie Mitte Oktober auf die Straße gegangen, um gegen den überbordenden Ausflugsverkehr zu protestieren. „Die Situation hat sich über die vergangenen Jahre immer weiter zugespitzt. Auch Garmisch ist stark betroffen“, sagt Hans Urban, Landtagsabgeordneter der Grünen aus dem Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Garmisch-Partenkirchen. „Wir beobachten hier, was passiert, wenn sich Touristenandrang und Lebensalltag der Einheimischen nicht mehr die Waage halten.“

Immer häufiger sind im bayerischen Alpenraum Konflikte zwischen Einheimischen und Tagestourist*innen zu beobachten. Nicht nur der Walchensee ist betroffen. Auch Garmisch, insbesondere der Eibsee, das Tegernseer Tal und Orte im Allgäu ächzen an schönen Tagen unter der Last des Besucheransturms: verstopfte Straßen, überfüllte Bahnen, Parkplatznot. Das sorgt für Unmut bei den Einheimischen. Der Tourismus, wertvoll für die Wirtschaft in der Region, verkommt zum Ärgernis.

Die Grünen im Bayerischen Landtag haben deshalb einen Antrag gestellt, in dem sie die Staatsregierung auffordern, ein Konzept zur Zukunft des Tagestourismus im bayerischen Alpenraum zu erarbeiten – gemeinsam mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kommunen vor Ort. Ganz konkret wollen die Grünen, dass der Tagestourismus sowie die daraus entstehende Wertschöpfung in den Zielregionen statistisch erfasst werden und Brennpunkte, an denen bereits von „Overtourism“ gesprochen wird, identifiziert werden. Auf Basis dieser Daten sollen dann regional angepasst Konzepte erarbeitet werden, etwa um die Verkehrssituation zu entschärfen und überlasteten Kommunen Handlungsmöglichkeiten an die Hand zu geben, um die Bedürfnisse der Einheimischen mit denen der Tagestourist*innen in Einklang zu bringen. „Die Walchenseer arbeiten aktuell selbst an einem Konzept, was vorbildhaft, aber aus der Not geboren ist. Wir würden uns wünschen, dass der Freistaat betroffene Gemeinden hier unterstützt“, sagt Urban.

Christian Zwanziger, Sprecher für Tourismus der Grünen im bayerischen Landtag, begründet den Antrag wie folgt: „Die Sorgen der Bewohnerinnen und Bewohner der touristischen Hotspots und die der Anliegerinnen und Anlieger relevanter Verkehrswege müssen ernstgenommen werden, damit die Stimmung nicht kippt.“ Bisher gebe es zu wenige verlässliche Zahlen zum Tagestourismus. Zudem sei mit dem steigenden Zuzug in den Großraum München für die Zukunft mit noch mehr Ausflügler*innen in die Berge zu rechnen.

Urban: „Wir Grüne fordern, dass der Freistaat hier aktiv wird und die Gemeinden mit den Problemen nicht allein lässt. Angebote des Landes wie Zugverbindungen müssen sinnvoll angepasst und lokale mit landespolitischen Maßnahmen abgestimmt werden. Nur so kann den Herausforderungen, die steigenden Zahlen an Tagesausflüglern für viele oberbayerische Gemeinden mit sich bringen, optimal begegnet werden.“

(Beitragsbild: Der Eibsee bei Garmisch-Partenkirchen/pixaby)