Immer wieder enttäuschend, wenn gute Ideen abgelehnt werden – zuletzt unser Antrag zum Holzbau in Bayern im Ausschuss “Bauen, Wohnen und Verkehr”. Wir müssen den Holzbau in Bayern gezielt fördern. Warum, das steht ganz genau in unserem Antrag. Allerdings sind dieser Ansicht offenbar nur wir Grüne und die SPD. Im Bauausschuss stimmten alle anderen Fraktionen gegen unseren Antrag, traurig, aber leider auf der oppositionellen Tagesordnung.

Antrag der Abgeordneten Katharina Schulze, Ludwig Hartmann, Ursula Sowa, Jürgen Mistol, Hans Urban, Gülseren Demirel, Thomas Gehring, Eva Lettenbauer, Verena Osgyan, Gisela Sengl, Johannes Becher, Cemal Bozoglu, Dr. Martin Runge, Toni Schuberl, Florian Siekmann, Dr. Markus Büchler, Patrick Friedl, Christian Hierneis, Paul Knoblach, Rosi Steinberger, Martin Stümpfig, Christian Zwanziger BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Der Landtag wolle beschließen:

Die Staatsregierung wird aufgefordert, die Potentiale des Holzbaus zum Erreichen der Klimaschutzziele auszuschöpfen und eine Holzbau-Offensive für den Freistaat auf den Weg zu bringen. Diese sollte sich langfristig an den verfügbaren Holzvorräten im Rahmen einer nachhaltigen Forstwirtschaft sowie den Herausforderungen des klimawandelbedingten Waldumbaus orientieren. Dafür sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:

• Die bauordnungsrechtliche Zulässigkeit von Holz als Baustoff für die Gebäudeklassen 4 und 5 ist zu verbessern.
• Im Rahmen des Staatlichen Hochbaus und der Förderung kommunaler Hochbauten werden Neu- und Umbauten sowie energetisch-gestalterische Modernisierungen verstärkt in moderner Holz- oder Holzhybridbauweise erstellt. Finanzielle Mehrbelastungen sind gemäß den Umweltrichtlinien Öffentlichen Auftragswesens (öAUmwR) hinzunehmen.
• Bei den drei staatlichen Wohnungsbaugesellschaften StadiBau, Siedlungswerk Nürnberg und BayernHeim ist darauf hinzuwirken, dass Neu- und Umbauten sowie energetischgestalterische Modernisierungen verstärkt in moderner Holz- oder Holzhybridbauweise erfolgen.
• Im Rahmen der Programme der Staatlichen Wohnraumförderung sowie des Kommunalen Wohnraumförderungsprogramms ist ein CO2-Bonus (vergleichbar dem Förderprogramm der LH München für die Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park) für den Einsatz Kohlenstoff (CO2) speichernder und nachwachsender Baustoffe (regional und zertifiziert)
einzuführen.
• Über die BayernLaBo ist ein Förderprogramm zum Dachausbau und -aufstockungen aufzulegen. Die Förderung ist kumulierbar mit Programmen der staatlichen Wohnraumförderung und Programmen der KfW-Bank für energetischen Bauen und Sanieren. Bei der Ausführung der Baumaßnahmen in Holzbauweise bzw. auf Basis nachwachsender Dämm- und Baustoffe ist ein zusätzlicher Zuschuss zu gewähren.
• Die Entwicklung einer Forschungsstrategie im Bereich des Holzbaus zur effizienten Forschungsförderung sowie Ausweitung der Klimaforschung Wald-Forst-Holz – insbesondere den Aspekt Klimaschutz durch Holzverwendung – im Rahmen des Klimaschutzprogrammes Bayern 2050.
• Mit einer Bildungsoffensive sollen innovative Lehr- und Forschungsansätze zu Holz als Grundlage für Werkstoffanwendungen im Bau stärker an Hochschulen mit Architektur- und Ingenieurbau-Fakultäten sowie beruflichen Schulen verankert werden.
• Die Entwicklung einer bayernweiten Imagekampagne für den Baustoff Holz sowie Handlungsempfehlungen für öffentliche und private Bauherren.

Begründung:
Der Bausektor ist einer der rohstoffintensivsten Wirtschaftsbereiche in Deutschland. 90 Prozent aller verwendeten mineralischen Rohstoffe werden zur Herstellung von Baustoffen und -produkten eingesetzt. Damit hat der Bausektor einen bedeutenden Anteil am Endenergiebedarf und den durch ihn entstehenden CO2-Emissionen. Für die Herstellung und Entsorgung von Baustoffen aus Holz ist in der Regel weniger fossile Energie notwendig als für Materialien auf Basis endlicher, mineralischer Rohstoffe. Zumal durch den weltweiten Bauboom und der dadurch ausgelöste übermäßige Abbau von Sand und Kies mit negativen Folgen für die Umwelt verbunden ist. Das Bauen mit Holz hingegen trägt erheblich zur Reduktion der CO2-Emissionen und damit zum Klimaschutz bei. Mehr als die Hälfte aller Fertigprodukte aus Holz (ohne Papier) werden im Bauwesen eingesetzt. Das Bauwesen ist somit der wichtigste Einsatzort für Holzprodukte. Durch den steigenden Bedarf entwickelte sich der Holzbau zum „Zugpferd für die Holzverwendung“ – mit positiven Effekten für Beschäftigung und Wertschöpfung im gesamten Cluster Forst und Holz. So stieg die Anzahl der Beschäftigten im Bereich des Bauens mit Holz innerhalb von zehn Jahren um mehr als zehn Prozent.

Bayern bietet mit seinen Wäldern und dem dort nachwachsenden, nachhaltig bewirtschafteten Rohstoff Holz als Waldland ideale Bedingungen für ein Holzbauland. Seine Holzbaubetriebe sind ein starker Motor für innovative Entwicklungen und impulsgebend für Europa. Das Interesse am modernen Holzbau in architektonisch attraktiven Ausprägungen hat beträchtlich zugenommen. Gleichzeitig trägt eine Weiterentwicklung des Holzbaus maßgeblich dazu bei, die Klimaschutzziele zu erreichen. In verbautem Holz und in Holzwerkstoffen wird Kohlenstoff langfristig gebunden. Gesteigert werden kann der Effekt durch die Stärkung regionaler, bioökonomisch ausgerichteter und nachhaltiger Wirtschaftskreisläufe, bei denen weniger CO2 freigesetzt wird. Aufgrund des klimabedingten Waldsterbens ist in den nächsten Jahrzehnten mit einer fortschreitenden Erkrankung der in Bayern in großer Zahl vorhandenen Fichtenbestände zu rechnen. Die erforderliche Ernte erkrankter Bäume führt zu einem Überangebot an Fichtenholz auf dem Holzmarkt. Durch eine stoffliche Nutzung als Baumaterial kann gewährleistet werden, dass das CO2 langfristig gebunden bleibt.

Die erfolgreiche Verbindung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem lässt sich mit einem regional nachwachsenden Rohstoff wie Holz in ganz besonderem Maß umsetzen. Holzbau kann zudem einen Beitrag zur raschen Bereitstellung von dringend benötigtem Wohnraum leisten. Auch im sozialen Wohnungsbau bietet sich Holzbau für neue Lösungswege an. Gleiches gilt für Bauvorhaben in verdichteten Gebieten, etwa die Aufstockung bestehender Gebäude, lassen sich mit Holz häufig technisch und wirtschaftlich leichter realisieren. Städte nachhaltig zukunftsfähig zu machen, rasch bezahlbaren Wohnraum in Ballungsgebieten zu schaffen sowie die ländlichen Regionen weiter zu stärken, und dabei gleichzeitig den Klimaschutz zu verbessern sowie die Ressourceneffizienz zu steigern, sind Zukunftsaufgaben, die es im Freistaat in den nächsten Jahren konsequent anzugehen gilt. Bauen mit Holz kann bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine zentrale Rolle einnehmen.

(Foto: Beispielhafter Holzbau in Gelting bei Geretsried. (Quelle: privat))