MdL Hans Urban: „Es reicht nicht zu fördern, dass ein paar Klassensätze Tablets angeschafft werden.“

Bad Tölz-Wolfratshausen/München – „Wir Grüne im Landtag finden es gut, dass der Bund bei dem wichtigen Thema Digitalisierung dem Freistaat so viel Geld an die Hand gibt. Enttäuschend aber ist es, dass die CSU/FW-Staatsregierung, obwohl anders versprochen, das eigene Förderprogramm offenbar einstellt. Aus dem bayerischen Digitalbudget haben die Kommunen auch bei uns im Landkreis schon seit einigen Monaten keine Gelder mehr abrufen können. Das hat in manchen Gemeinden zu Verunsicherung und Finanzierungslücken geführt“, kommentiert MdL Hans Urban die neuesten Entwicklungen hinsichtlich der Digitalisierung der bayerischen Schulen. 

Am 31. Juli ist die bayerische Förderrichtlinie (dBIR), die die Umsetzung des „Digitalpakts Schule 2019 bis 2024“ im Freistaat ermöglicht, in Kraft getreten. Der Bund unterstützt die Länder bei der Digitalisierung der Schulen mit insgesamt 5 Milliarden Euro. Bayern erhält aus diesem Topf in den kommenden fünf Jahren 778 Millionen Euro. Die Schulen im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen werden mit maximal rund 5,6 Millionen Euro bis 2024 gefördert. Die eine Hälfte davon, 2,8 Millionen Euro, ist für den Landkreis als Schulaufwandsträger vorgesehen, die andere Hälfte verteilt sich auf Gemeinden und private Trägervereine etwa der Montessori- oder Waldorfschulen im Landkreis.

Urban sieht die Digitalisierung in den Schulen als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Freistaat und Kommunen. „Der Freistaat darf sich hier nicht einfach zurückziehen und auf das Weiterreichen der Bundesmittel beschränken“, sagt Urban. Er ist außerdem der Überzeugung, dass die digitale Schule mehr sein muss als die Beschaffung von Tablets, Laptops und Whiteboards. „Es braucht Lehrer, die die Technik auch pädagogisch sinnvoll im Unterricht nutzen können. Und so selbstverständlich wie den Hausmeister, sollte es künftig auch einen IT-Meister an den Schulen geben, der die digitale Technik betreut.“

Denn das Problem der Wartung und Pflege der schulischen IT bleibt trotz Digitalpakt weiter ungelöst. „Die Landtagsgrünen haben schon 2017 in einem Antrag gefordert, die IT-Systembetreuung an den bayerischen Schulen zu professionalisieren“, sagt Urban. „Seitdem ist im Bezug darauf aber kaum etwas passiert und das Problem von Wartung und Pflege der Geräte bleibt weiter ungelöst, auch wenn einzelne Schulen Anrechnungsstunden dafür bekommen haben.“ Lehrerinnen und Lehrern fehle oftmals sowohl die Zeit als auch das erforderliche Fachwissen, um die IT-Systembetreuung zu übernehmen. „Und das ist auch nicht ihre Aufgabe“, ist Urban überzeugt.

Die Grünen wollen erreichen, dass der Freistaat den Kommunen hier künftig unter die Arme greift. Dazu sei eine Änderung des Schulfinanzierungsgesetzes genauso notwendig, wie ein zentrales didaktisches Konzept für die Arbeit mit digitalen Medien erarbeitet werden müsse. „Wenn Digitalisierung an unseren Schulen auch im Landkreis erfolgreich sein soll, dann muss die Politik die Rahmenbedingungen so schaffen, dass die digitalen Möglichkeiten für Schülerinnen und Schüler einen Mehrwert bringen und pädagogisch wertvoll sind. Es reicht nicht, die Anschaffung von ein paar Klassensätzen Tablets zu fördern und die Schulen dann allein zu lassen“, so Urban.