Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Hans Urban BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 04.07.2019:

Agroforstsysteme (AFS) sind Landnutzungssysteme, die Bäume und Sträucher mit landwirtschaftlichen Kulturen und/oder Nutztieren auf einer Fläche kombinieren. Zur Erzeugung von Energieholz werden in AFS schnellwachsende Baumarten mit kurzer Umtriebszeit gepflanzt. AFS können sowohl ökologische als auch sozioökonomische Vorteile bieten. Im Bereich der Umweltdienstleistungen können sie zum Schutz von Biodiversität, Klima, Wasser und Boden beitragen.

Auf EU-Ebene werden AFS bereits in verschiedenen Verordnungen berücksichtigt. In der ELER (Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums)-Verordnung der Europäischen Gemeinschaft (Nr. 1698/2005) vom 20. September 2005, wird in Artikel 44 die Ersteinrichtung von Agroforstsystemen auf landwirtschaftlichen Flächen als prinzipiell förderfähig anerkannt. Im deutschen Agrarförderrecht wird die Bewirtschaftungsform bislang nicht berücksichtigt. Laut einer Aussage von Dr. Eva Ursula Müller vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Rahmen der Gründungsversammlung des Deutschen Fachverbandes für Agroforstwirtschaft (DeFAF) am Dienstag, 28. Juni 2019, in Berlin kann die Förderung von AFS jedoch durch die Länder beantragt werden.

Ich frage die Staatsregierung:

1.a) Welche Kenntnisse hat die Staatsregierung über die Anzahl/Verbreitung von Agroforstsystemen in Bayern?
1.b) Möchte die Staatsregierung eine Ausweitung der Agroforstwirtschaft in Bayern erreichen?
1.c) Welche konkreten Ziele hat sie sich hierbei gesetzt?

2.a) Welche Fördermittel können Landwirt*innen, die AFS einrichten/betreiben, aktuell beantragen?
2.b) Wie beabsichtigt die Staatsregierung, die Förderung von AFS künftig zu handhaben?
2.c) Welche konkreten Maßnahmen sieht sie dabei vor?

3.a) Welche wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema AFS liegen der Staatsregierung vor?
3.b) Welche Schlüsse hat die Staatsregierung aus dem Feldversuch zur ökologischen Agroforstwirtschaft (Entwicklung und Erprobung eines Agroforstsystems im ökologischen Landbau zur Energieholzgewinnung (Projekt KLIP 19), Laufzeit April 2009 bis Winter 2015/16) der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der Landesanstalt für Wald (LfW) gezogen?
3.c) Wie wurden diese Schlüsse in die landwirtschaftliche Praxis in Bayern eingebracht?

4.a) Aus welchem Grund hat Bayern die nach Aussage von Dr. Eva Ursula Müller (BMEL) mögliche Förderung der bayerischen Agroforstwirtschaft beim Bund bisher nicht beantragt?
4.b.) Inwieweit möchte sich die Staatsregierung beim Bund dafür einsetzen, dass Agroforstwirtschaft im deutschen Agrarförderrecht künftig berücksichtigt wird?
4.c) Welche Definition für AFS hält die Staatsregierung hierbei für sinnvoll?

5.a) Hält die Staatsregierung die Einführung eines Nutzungscodes für Agroforstschläge, bestehend aus einer Gehölzkomponente sowie einer Ackerkultur- oder Grünlandkomponente, für notwendig?
5.b) Sieht es die Staatsregierung als sinnvoll an, dass aktuell auf Ackerflächen unter Beibehaltung der Basisprämie nur dann eine agroforstliche Nutzung umgesetzt werden kann, wenn die Gehölzkulturflächen als separate Schläge betrachtet werden?
5.c) Inwieweit will die Staatsregierung den erheblichen bürokratischen Mehraufwand, der dadurch aktuell für Landwirtinnen entsteht, mindern?

6.a) Sollen nach Ansicht der Staatsregierung Mindestgrößen für Gehölzkulturen auf einem Agroforstschlag festgesetzt sein (Bitte um Begründung)?
6.b) Soll nach Ansicht der Staatsregierung eine Baumartenbegrenzung bei Agroforstschlägen festgesetzt sein (Bitte um Begründung)?
6.c) Soll nach Ansicht der Staatsregierung eine Umtriebszeit-Begrenzung bei Agroforstschlägen festgesetzt sein (Bitte um Begründung)?

7.a) Welches Potenzial misst die Staatsregierung der Agroforstwirtschaft besonders in Zeiten der Klimakrise bei?
7.b) Wie möchte die Staatsregierung die Agroforstwirtschaft konkurrenzfähig mit konventionellen Landbaumethoden machen?
7.c) Wie möchte die Staatsregierung die Möglichkeiten von AFS unter den bayerischen Landwirtinnen populärer machen?

8.a) Inwieweit steht die Staatsregierung mit Akteuren der agroforstwirtschaftlichen Forschung (auch außerhalb Bayerns) in Kontakt (Bitte um konkrete Nennung der Akteure)?