Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Hans Urban BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 30.01.2019.

Die Allgäuer Zeitung vom 30.01.2019 berichtet über gescheiterte Versuche Schutzwälder oberhalb der Gemeinde Balderschwang zu errichten. Hintergrund der Berichterstattung sind die Lawinenprobleme in Balderschwand, die aktuell schwere Schäden am Hotel Hubertus verursacht haben. Die Allgäuer Zeitung berichtet weiter, dass Versuche überhalb der Gemeinde Balderschwang Schutzwald zu errichten vor allem wegen der Verbissproblematik durch das Wild fehlgeschlagen sind. Die Bergwaldoffensive habe ihre Bemühungen so vor Jahren eingestellt, weil das Wild zu viel Schaden angerichtet habe und Geld für Neupflanzungen dadurch Verschwendung gewesen wäre. Das zuständige AELF bestätigt in dem Bericht ebenfalls, dass der Schutzwald-Aufbau in Balderschwang verschleppt worden ist und die Voraussetzungen für das Aufwachsen eines gesunden Bergmischwaldes wegen der Jagdproblematik nicht gegeben sind. So liegen auch die Abschusszahlen im gemeindlichen Jagdrevier Balderschwang unterm Soll, der Abschuss von Rehen (seit dem Jahr 2010 gerechnet) wurde z.B. nur zu 76 Prozent erfüllt. Auch bei Rot- und Gamswild wurde das Abschusssoll in den vergangenen Jahren nicht erfüllt. Dies steht im Gegensatz zu dem Bergwaldbeschluss des Bayerischen Landtages aus dem Jahr 1984, in dem vereinbart wurde, für die besonderen Schutzfunktionen des Bergwaldes die Anstrengungen zu intensivieren und zusätzliche Maßnahmen zum Schutz des Bergwaldes zu ergreifen.

Ich frage daher die Staatsregierung:

1.a) War der Staatsregierung die Problematik mit den erfolglosen Schutzwaldbemühungen in Balderschwang bekannt?
1.b) Wenn ja, wie wurde darauf reagiert?
1.c) Sind der Staatsregierung weitere Fälle bekannt, in denen Versuche Schutzwälder zu etablieren aufgrund der Verbissproblematik scheitern?

2.a) Wann gab es den ersten Versuch Schutzwald in Balderschwang aufzubauen?
2.b) Wie viele Versuche wurden seitdem unternommen?
2.c) Wie viel finanzielle Mittel wurden seit dem ersten Versuch in die Bemühungen einen Schutzwald aufzubauen in die einzelnen Maßnahmen, wie etwa Pflanzungen oder Verbauungen und Wegebau investiert?

3.a) Gab es von Behördenseite, wie z.B. Wasserwirtschaftsämter oder Forstverwaltung Hinweise auf die Problematik eines nicht vorhandenen Schutzwaldes?
3.b) Wenn ja, welche?
3.c) Warum wurden diesen Hinweisen nicht nachgegangen?

4.a) Welche Möglichkeiten gibt es seitens des Gesetzgebers Verhältnisse herzustellen, die einen dringend benötigten Schutzwald aufwachsen lassen können?
4.b) Wurde von diesen Möglichkeiten in Balderschwang Gebrauch gemacht?
4.c) Wenn nein, warum nicht?

5.a) Wie soll in Zukunft das jagdliche Problem in Balderschwang gelöst werden, um die Voraussetzungen für einen Schutzwald zu schaffen?
5.b) Welche Initiativen gibt es hier bereits?
5.c) Welche Bedeutung misst die Staatsregierung einem Schutzwald in Balderschwang zu?

6.a) Ist der Staatsregierung die Zielsetzung des Bergwaldbeschlusses von 1984 bekannt, insbesondere dass der Schalenwildbestand durch jagdliche Maßnahmen so zu regulieren ist, dass die standortgerechte natürliche Verjüngung des Bergwaldes grundsätzlich ohne die üblichen Schutzvorrichtungen (Zaun, Einzelschutz) möglich ist?
6.b) Wenn ja, warum wird der Bergwaldbeschluss nicht umgesetzt?
6.c) Wird die Staatsregierung darauf drängen, dass Maßnahmen ergriffen werden um die jagdlichen Zielsetzungen des Bergwaldbeschlusses auch in Balderschwang umzusetzen?

7.a) Welche Initiativen gab es seitens der Staatsregierung Vorschläge und Kritikpunkte aus der Expertenanhörung “Maßnahmen zum Schutz des Bergwaldes” vom 04. Februar 2015 umzusetzen bzw. zu verbessern?
7.b) Sind der Staatsregierung seitdem Maßnahmen bekannt, die ergriffen wurden, um die damals von den Experten geäußerte Schalenwildproblematik und die ausbleibenden Verjüngung zu verbessern?
7.c) Wenn ja, welche?

8.a) Gibt es in Balderschwang und Umgebung gefährdete Schalenwildarten?
8.b) Wenn ja, welche?